München (dpa) - Wenn der Woman’s Murder Club in Aktion tritt, haben Verbrecher in San Francisco kaum eine Chance. Sie sind halt ein unschlagbares Quartett: Gerichtsmedizinerin Claire, Journalistin Cindy, Polizistin Lindsey und Staatsanwältin Yuki. Nun allerdings stehen sie etwas auf dem Schlauch, denn Lindsey hat gerade ein Töchterchen bekommen, Cindy kämpft mit Beziehungsproblemen, Yuki hat es mit dem schmierigsten Strafverteidiger der gesamten Westküste zu tun.

Und Claire ist eine Leiche abhanden gekommen: Die Tote Nr. 12 ist weg, wie schon der Titel des neuen Romans der auch aus dem Fernsehen bekannten Reihe von US-Autor James Patterson (Jahrgang 1947) verrät und zugleich der 12. Fall der Vier ist. Claire bekommt nicht nur einen Rüffel, sondern wird als Chefin der Gerichtsmedizin abgelöst. Auch Lindsey wird ordentlich gefordert. Schon wenige Wochen nach der Geburt Julies wird sie zurück in den Dienst beordert, weil seltsame Morde der Polizei Rätsel aufgeben. Das Besondere daran: Ein Universitätsprofessor hat sie alle vorhergesagt.

Und dann wacht auch noch ein Serienkiller nach zwei Jahren aus dem Koma auf und ist bereit, über seine Verbrechen zu reden. Aber nur mit Lindsey. Natürlich tauschen die Frauen, die ohnehin berufliche Berührungspunkte haben, auch dieses Mal wieder bei ihren Klatschrunden nicht nur private, sondern auch dienstliche Details aus. Dennoch ziehen sie zunächst ihre eigenen Kreise, bis sich alle im Sumpf eines großen Verbrechens zusammenfinden - und ihn selbstredend trockenlegen.

Obwohl Patterson, der routiniert durch den verzweigten Fall führt und dabei nicht mit überraschenden Wendungen spart, hat sich fürs Ende etwas Nettes ausgedacht. Nebenbei versorgt er seine Lesergemeinde mit allen möglichen Facetten eines Unterhaltungsromans: Herz, Schmerz, Liebe, Krankheit, Glück und Enttäuschung. Und wieder einmal stellt er unter Beweis, dass er ein Meister der Spannung ist.

Allerdings täuscht das nicht darüber hinweg, dass seine Tote Nr. 12 in manchen Passagen konstruiert und oft auch ein bisschen wie runtergespult wirkt. Möglicherweise ist das der Tatsache geschuldet, dass er inzwischen nur noch Idee und Entwurf liefert, die Ausarbeitung aber mehreren Co-Autoren überlässt, was auch eine gewisse sprachliche Inkonsequenz mit sich bringt.

Dennoch, wer einen fesselnden kurzweiligen Krimi lesen will, ist mit dem neuesten Stück Pattersons, dessen Werke bisher über 100 Millionen Mal verkauft und in rund 40 Sprachen übersetzt wurden, gut bedient. Und es scheint ganz so, als ob sein Woman’s Murder Club der Vorgängerserie um den Polizeipsychologen Alex Cross (zum Teil verfilmt mit Morgan Freeman) an Popularität in nichts nachsteht. Daneben arbeitet der Vielschreiber an einer weiteren Krimi-Serie: Maximum Ride. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel fand gar heraus, dass Patterson vor fünf Jahren mehr Bücher verkauft hat als Dan Brown, John Grisham und Stephen King zusammen.

James Patterson: Die Tote Nr. 12, Limes Verlag München,
384 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-8090-2655-6

Die Tote Nr. 12