New York/Bamberg (dpa) - Eigentlich sollte der "Dirty Old Man" der US-Literatur zu seinem 100. Geburtstag am Sonntag (16. August) in Deutschland groß gefeiert werden. Die Coronavirus-Pandemie durchkreuzte die Pläne.

"Wenn Bukowski schonmal 100 wird, wollen wir ihn auch würdig feiern", teilte die Charles-Bukowski-Gesellschaft mit. "Das geht in diesem Jahr nicht. Wir geben aber nicht auf, sondern verschieben das komplette Programm auf 2021." Dann soll es in Bamberg ein großes Fest mit Lesungen, Konzerten und Diskussionsrunden geben.

In Deutschland wird der 1994 an den Folgen von Leukämie gestorbene Schriftsteller immer noch ganz besonders verehrt. Dass er 1920 dort geboren wurde, war allerdings Zufall. Sein Vater war als US-Soldat nach Andernach am Rhein gekommen und hatte dort Charles' Mutter kennengelernt. Schon als kleiner Junge zog Bukowski mit seinen Eltern weiter an die amerikanische Westküste. Dort wuchs er auf, ging auf die High School, begann ein Journalismus-Studium, brach es ab. Er verweigerte den Wehrdienst und musste deswegen kurzzeitig ins Gefängnis.

Nach einer Reihe von Gelegenheitsjobs wurde er von der US-Post angestellt und blieb dort, bis er eineinhalb Jahrzehnte später vom Schreiben leben konnte. Den ersten großen Erfolg feierte Bukowski mit den "Aufzeichnungen eines Außenseiters" 1969.

In seinen Dutzenden Büchern, Gedichten und anderen Texten kultivierte der Autor die Kulturlosigkeit: Geschichten aus der Gosse, voller vulgärer Derbheit und Schnoddrigkeit, mit Abscheu für das Leben und mit witzgewürzter Verzweiflung. Bukowski ließ sich gehen, quälte sich und andere und schuf daraus seine Kunst.

Ob das wirklich Literatur ist, darüber streiten sich Experten bis heute. Zu Lebzeiten sorgten viele seiner Texte für Skandale - inzwischen gilt Bukowski als Kult und schaffte es sogar ins Klassik-Programm des Fischer-Verlags. Dass er ein "genialer Schriftsteller" sei, sei allerdings ein "deutsches Missverständnis", schrieb dagegen beispielsweise vor wenigen Jahren die "Welt". In seinem Werk stehe "kein einziger interessanter Satz".

In Deutschland hatte "Buk" schon immer ein größeres Publikum als in seiner amerikanischen Heimat. Im Mai 1978 wurde er bei einer Lesung in Hamburg - seine einzige außerhalb der USA und Kanada - wie ein Rock-Star gefeiert. "Das Publikum in Hamburg war komisch. Wenn ich ihnen ein Gedicht zum Lachen vorlas, lachten sie, aber wenn ich ihnen ein ernstes vortrug, gab es starken Beifall. Eine wahrhaft andere Kultur", schrieb er später in seinem Buch "Die Ochsentour".

Ende der 70er Jahre war Bukowski mit seiner späteren Frau Linda nach San Pedro bei Los Angeles gezogen. Nach seinem Tod spendete sie seinen Nachlass der Huntington Library in Los Angeles. Wie Andernach, wo es eine Gedenktafel am Geburtshaus und immer wieder Veranstaltungen zu seinen Ehren gibt, will auch San Pedro Bukowski gedenken. "Fans von Bukowski kommen aus aller Welt nach San Pedro, um nach einem Weg zu suchen, sich einem Mann nahe zu fühlen, dessen Worte sie so tief berührt haben", sagte Lokalhistorikerin Angela Romero kürzlich dem "Guardian". Im Internet versucht sie nun, Spenden für ein Bukowski-Denkmal zu sammeln. Bislang gibt es außer seinem Grabstein nicht viel zu sehen. Darauf steht: "Don't Try" (Versuche es nicht).

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