Köln (dpa) - Seine Aufnahmen verfolgten einen eindeutig festgelegten Zweck, sagte der deutschstämmige Fotograf Helmut Newton (1920-2004) einmal: Sie dienen der Propaganda. Klar, dass er dies so sah, denn er erwarb sich großen Ruhm mit Bildern von Models und Mode. Doch nicht ausschließlich.

So gesehen, ist sein Bekenntnis auch ein Understatement, denn Newton machte so viel mehr. Einen Überblick darüber geben derzeit (bis 22. Mai 2016) eine Ausstellung im Berliner Museum für Fotografie und der dazu vom Taschen Verlag neu aufgelegte Bildband Pages from the Glossies.

Die schon längst vergriffene Erstauflage des Schweizer Scalo Verlags kam bereits 1998 heraus. Die Fotos hierfür sind ein Abriss seines umfangreichen Schaffens. Newton selbst hatte die 500 Abdrucke zusammen mit seiner Ehefrau June aus rund 3000 Seiten internationaler Magazine und Modezeitschriften wie Vogue und Elle ausgewählt und kommentiert.

Die Reise durch vier Jahrzehnte ist auch deshalb so spannend, weil die Fotos offenbaren, dass Newton mehr die Kunst des richtigen Blickwinkels interessierte als die Verkaufsabsicht des Sponsors. Sie zeigen neben unbekannten Models etliche Prominente wie Marlon Brando, Bette Davis, Catherine Deneuve, Al Pacino, Grace Jones oder Michael Jackson. Und sie geben den Zeitgeist der jeweiligen Epoche wieder, umso mehr, als die Konterfeis der Abgelichteten teilweise durchaus umstritten waren.

- Helmut Newton: Pages from the Glossies (Facsimiles 1956-1998),
Taschen Verlag, Köln, 523 Seiten, 39,99 Euro, ISBN 978-3- 8365-2449-0.