Magdeburg l Weihnachten in der Familie – etwas, über das Manuel Richter dieser Tage auf zig Märkten und Feiern singen würde. Aber auch etwas, das der hauptberufliche Musiker seit Jahren kaum selbst erleben konnte. Hastig reiste er in der Weihnachtszeit von Auftritt zu Auftritt, kam erst in den späten Abendstunden heim. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Für Musiker gilt wie für viele andere Kulturschaffende auch: Berufsverbot! Gut die Hälfte aller Auftritte wurden abgesagt. Auch sein persönliches Jahreshighlight, sein Jubiläumskonzert nach 20 Jahren auf der Bühne, fiel der Pandemie zum Opfer.

Doch Manuel Richter will nicht klagen, richtet seine Energie lieber auf das Positive. „Nichts ist so schlimm, dass es nicht auch für etwas gut ist.“ Und gut ist es vor allem für seine Familie. So erlebe der Musiker erstmals die Vorweihnachtszeit mit seinen Töchtern Jelena (9) und Leonie (5). Und auch seine Frau Jenny genießt es, ihren Mann dieser Tage zu Hause zu wissen. „Es ist gerade eine ganz intensive Zeit für mich, für die ich sehr, sehr dankbar bin“, gibt der Sänger zu verstehen.

"Da muss man durch"

An diesen Punkt zu kommen, habe jedoch einige schlaflose Nächte gefordert. Zu Beginn der Pandemie habe er wie viele andere auch enorme Zukunftsängste gehabt. Er befürchtete eine finanzielle Misere und empfand bereits den ersten Lockdown im März als „dramatisch“. „Ich habe mir einen Plan gemacht, verschiedene Szenarien durchgespielt und gedacht, ab dann musst du das Auto verkaufen und ab dann das und das ...“ Letztlich war jedoch klar: Da muss man jetzt durch. „Da hatte ich auch noch keine Ahnung, dass es noch schlimmer kommen kann.“

Über die ersten Monate halfen einmalige Soforthilfen der Stadt Magdeburg und Halle sowie die Corona-Soforthilfe der Investitionsbank. Zudem hatte der vielgebuchte Musiker in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet. Dass er im Sommer einige Auftritte spielen konnte, verschaffte obendrein einen Puffer. „Ich bin dankbar, dass sich viele Veranstalter kreativ zeigten und Konzerte ermöglichten – der Elbauenpark beispielsweise und die Hengstmänner.“

Einzig die Verschiebung seines Jubiläumskonzertes bereitete ihm enorme Kopfschmerzen. Ende März sollte es in der Johanniskirche stattfinden, 650 Gäste hatten sich angemeldet. Das Coronavirus machte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung. „Die Vorfreude und die Liebesmüh waren für die Katz. Ich war frustriert und traurig.“ Eine Verschiebung auf das kommende Jahr sollte die Lösung sein. Doch nun ist endgültig klar: Es wird kein Jubiläumskonzert geben.

"Fühlt sich an wie kalter Kaffee"

Zumindest nicht anlässlich des 20. Bühnenjubiläums. „Für mich war von Anfang an klar, ich will bei meinem Auftritt in keine Masken schauen. Ich möchte in die Gesichter der Menschen sehen. Ich will sie drücken und ohne großen Abstand mit ihnen reden können.“ Dass das in naher Zukunft nicht der Fall sein würde, sei ihm mit Fortschreiten der Pandemie bewusst geworden. Und das Konzert noch länger zu „verschleppen“, komme nicht infrage. „Das fühlt sich an wie kalter Kaffee.“ Daher die Komplettabsage.

Die Entscheidung dafür sei natürlich nicht leicht gefallen, nehme nun aber jede Menge Druck von dem Musiker. „Die Ungewissheit, ob ein Konzert stattfinden kann, und das obwohl man so viel Zeit, Liebe und Geld reingesteckt hat, ist für mich nicht verkraftbar.“ Stattdessen fasst er ein neues Ziel ins Auge: das 25. Bühnenjubiläum.

Um über die „stille“ Zeit zu kommen, den Pandemiefrust zu bewältigen und sich und seine Fans ein wenig zu trösten, hat Manuel Richter sich dennoch etwas einfallen lassen. Er lässt sich verschenken. Ganz unkompliziert und coronakonform kommt der Musiker ins Wohnzimmer.

Mit Barhocker und Gitarre spielt er Wunschkonzerte. „Ich weiß, dass viele Menschen etwas Persönliches verschenken möchten. Warum nicht jemanden, der nach Hause kommt und für sie spielt.“ Ein Konzept, das funktioniert. Etliche kleine Wohnzimmerauftritte habe er schon gehabt. Er spiele Wunschtitel und erkläre gern auch die Musiktheorie, Harmonien und Akkorde beispielsweise. Gewiss ersetze das keine großen Konzerte, auf die dieser Tage alle verzichten müssen. Aber es hilft über die Zeit und setzt kleine musikalische Akzente.

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