Berlin (dpa) - Als "deutsche Callas" wurde sie weltberühmt, und noch immer bekommen Opernfans Gänsehaut, wenn sie an ihre Auftritte denken: Anja Silja, eine der großen Sopranistinnen der Gegenwart, feiert an diesem Freitag ihren 80. Geburtstag.

Bis heute habe Silja die Herzensbeziehung zu ihrem Publikum immer wieder aktiviert, vor allem in ihrer Heimatstadt Berlin, teilte die Deutsche Oper Berlin am Donnerstag mit. Nach Angaben ihrer Zürcher Agentur lebt Silja heute in der Nähe von Hamburg.

Einen großen Erfolg hatte Silja zuletzt 2018 bei der Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses Bayreuth in Johann Adolf Hasses "Artaserse", wo sie ein wenig sang und aus Briefen vorlas.

Anja Silja hatte mit 20 Jahren in Bayreuth debütiert - allerdings auf dem Grünen Hügel. Dort lernte sie den Regisseur Wieland Wagner kennen, mit dem sie eine turbulente Liebes- und Arbeitsbeziehung begann. Er habe an sie geglaubt und ihr all die Rollen gegeben, die man gewöhnlich erst später singt, sagte sie später im Interview.

Mit dem frühen Tod Wieland Wagners 1966 zog sie sich vom Wagner-Fach zurück. Doch ob als Micaela in "Carmen", Königin der Nacht in der "Zauberflöte", oder Leonore im "Troubadour" - Silja sorgte mit ihrer hellen, dramatischen Stimme und ihrer Bühnenpräsenz weiter für Furore.

Es war der Regisseur Nikolaus Lehnhoff, der in den 1980er Jahren Siljas Lebenslauf eine neue Wende gab. Mit ihrem Debüt als Küsterin in Leos Janaceks "Jenufa" in Glyndebourne fand sie zu neuen, hochexpressiven Charakterpartien. Zu ihrer "Lebensrolle" wurde dann die Emilia Marty aus Janaceks "Sache Makropoulos", die sie mehr als hundert Mal sang.

Die Deutsche Oper Berlin blieb ihre künstlerische Heimat. Dort hatte die gebürtige Berlinerin ihre ersten Auftritte als Elsa 1961 im "Lohengrin" und vor allem in der Titelpartie von Wieland Wagners "Salome"-Neuinszenierung.