Wien/München (dpa) - Martin Kusej setzt als künftiger Intendant des Wiener Burgtheaters auf neue Töne und Regisseure. Die Regisseure kämen aus ganz Europa, sagte Kusej der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

"Davon kann man gerne ableiten, dass mich der europäische Gedanke vor allem im theatralischen, künstlerischen Zusammenhang interessiert", meinte der 57-jährige Österreicher, der zur neuen Spielzeit vom Münchner Residenztheater nach Wien wechselt. Auch Vielsprachigkeit auf der Bühne sei einen Versuch wert. Er habe in Europa so viele faszinierende Schauspieler getroffen, dass es ihn nicht stören würde, wenn deren Deutsch einen Akzent hätte. "Oder dass sie gar ganz in einer anderen Sprache spielten", meinte Kusej.

Generell kommt es beim Ensemble zu Neuerungen. Kusej hat nach eigenen Worten 19 von 65 Verträgen nicht verlängert. Aus München werde er zehn, elf Schauspieler mit nach Wien nehmen. "Ein paar Spielerinnen und Spieler kommen - wie gesagt - gar nicht aus dem deutschen Sprachraum - aus Island, aus Italien oder Israel." Ohne sich auf Details des Spielplans festzulegen, bekannte sich Kusej zum Risiko. "Ich möchte Dinge ausprobieren, von denen ich glaube, dass man sie jetzt tun muss, neue Richtungen und Ästhetiken suchen, den üblichen Mainstream verlassen und mich noch einmal einem gewissen Risiko aussetzen."

Kusej folgt der deutschen Kulturmanagerin Karin Bergmann. In deren Intendanz hat sich das Haus nicht zuletzt finanziell konsolidiert. Die ersten Etatgespräche hätten ihn durchaus überrascht, so Kusej. "Entgegen landläufiger Meinungen kann man wirklich nicht sagen, dass hier irgendein Geld locker sitzt, ganz im Gegenteil. Es wird genau kontrolliert und hinterfragt, und das ist gut so."