Magdeburg l Verkäufe online abwickeln, Kundenkontakte im Netz – für Unternehmen in Magdeburg erweist sich die Corona-Krise als Beschleuniger bei der Digitalisierung. Laut Unternehmerkundenstudie der Commerzbank treiben 62 Prozent der Firmen die Digitalisierung im Marketing bei der Kundenkommunikation und im Online-Vertrieb voran. 52 Prozent der Magdeburger Firmen – und damit deutlich mehr als im Bundesschnitt (36 Prozent) – wollen Prozesse verstärkt digitalisieren. Der überwiegende Teil (59 Prozent) will die Entwicklung binnen eines Jahres vorantreiben.

Die Arbeit am heimischen Schreibtisch gehört bei jedem zweiten befragten Unternehmen schon dazu. Zwei Prozent haben die Heimarbeit neu eingeführt. 46 Prozent der Befragten gaben allerdings an, Home-Office sei in ihren Unternehmen nicht umsetzbar.

Corona macht der Wirtschaft im Land trotz alledem zu schaffen. Laut Studie hat jedes dritte Unternehmen in Magdeburg die Krise stark zu spüren bekommen. Von diesen Firmen beschreibt knapp die Hälfte (47 Prozent) die Situation als existenzbedrohend. Im Bundesschnitt sind es etwas mehr (55 Prozent).

Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos hatte im Auftrag der Commerzbank bundesweit 3500 Selbständige, Freiberufler und Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Euro befragt. 50 davon in Magdeburg. Rund die Hälfte der hiesigen Unternehmen musste sich mit staatlicher Unterstützung in der Krise behelfen. Zuschüsse der Investitionsbank Sachsen-Anhalt (IB) wurden dabei am häufigsten in Anspruch genommen (36 Prozent). Die meisten Unternehmen (67 Prozent) erhielten Zuschüsse bus 10 000 Euro. Laut Thomas Luda, Niederlassungsleiter der Commerzbank Magdeburg, seien insbesondere kleine Firmen betroffen gewesen.

Für die Studie wurden Kunden verschiedener Kreditinstitute befragt. 9 von 10 Unternehmer gaben an, bei ihrer Hausbank Unterstützung erhalten zu haben.

46 Prozent freuen sich über Entschleunigung

In Magdeburg sagten 34 Prozent, sie seien gut zu Finanzierungmöglichkeiten (Bund, Länder, Bank) beraten worden. Rund jeder dritte Bankkunde fühlte sich allerdings auch schlecht oder sehr schlecht beraten. Im Bundesschnitt sind es lediglich 26 Prozent.

Dank vielfältiger Hilfen seien zwei Drittel der Unternehmen in Magdeburg bisher ohne Personalmaßnahmen ausgekommen, sagt Thomas Heller, Leiter Unternehmerkundenberatung der Niederlassung Magdeburg. Nur zwei Prozent der Firmen habe Mitarbeiter entlassen müssen. Vier Prozent hätten vorsorglich auf Neueinstellungen verzichtet. Bewährt habe sich zudem die Kurzarbeit. 32 Prozent der befragten Unternehmen hat davon Gebrauch gemacht.

In Zeiten der Krise müssen viele Betriebe ihre Produkte und Dienstleistungsangebote überdenken. Zwar erweiterten 20 Prozent der Unternehmen coronabedingt ihr Angebot. 18 Prozent musste das Produktangebot aber reduzieren – das sind deutlich mehr, als im Bundesvergleich (sieben Prozent). Jeder Dritte sah sich zudem dazu gezwungen, die Kosten in seinem Unternehmen zu drücken.

Neben den Fortschritten bei der Digitalisierung können die Unternehmen der Corona-Zeit in anderer Hinsicht Positives abgewinnen. 46 Prozent freuen sich über Entschleunigung, weitere 42 Prozent geben an, Kreativität und Innovationskraft gesteigert zu haben. Knapp jeder Dritte genießt es, mehr Zeit für sich und die Familie zu haben.