Unternehmer

Comeback von Versicherungsmakler Göker?

Mehmet Göker war der umstrittenste Versicherungsvertreter Deutschlands. Nach seiner Flucht in die Türkei plant er nun sein Comeback.

Von Von Samantha Guenther

Kassel/Kusadasi l Der umstrittene Unternehmer Mehmet Göker, der sich seit elf Jahren in der Türkei einer strafrechtlichen Verfolgung durch die deutsche Justiz entzieht, kann wieder nach Deutschland einreisen. Laut Recherchen von NDR-Panorama und des funk-Formats STRG_F wurde der Haftbefehl am 15. Februar vom Landgericht Kassel aufgehoben.

Göker hätte wegen des gewerbsmäßigen Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen angeklagt werden sollen. Weil es kein Auslieferungsabkommen zwischen der Türkei und Deutschland gibt, war er dort vor der deutschen Justiz geschützt. Vincent H., frühere rechte Hand Mehmet Gökers, wurde stattdessen zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt, die aber zur Bewährung ausgesetzt wurde.

In dem Format Strg_F sieht man, wie Göker unbeeindruckt auf seinem Instagram-Profil lautstark sein Comeback als Versicherungsunternehmer ankündigt. Er werde nun baldmöglichst nach Deutschland zurückkommen und sich "holen, was mir immer rechtmäßig zustand". Spätestens im Mai wolle der 41-Jährige einreisen. Die Staatsanwaltschaft hat Rechtsmittel eingelegt.

Im Alter von 25 Jahren hat Mehmet E. Göker mit dem Vertrieb privater Krankenversicherungen am Telefon seine erste Million verdient. Seine Firma MEG wächst, der Umsatz steigt, neue Mitarbeiter werden angeworben. Großzügige Provisionen, die in Aussicht gestellt werden, locken viele junge Verkäufer an. Während fetten Bühnenshows hämmert Göker den Mitarbeitern ein: "Ihr müsst werden wie ich". Sein Markenzeichen: Schnelle Autos, schöne Frauen und dicke Zigarren. Doch plötzlich fehlt das Geld, das vorher in Autos und Firmenausflüge nach Las Vegas gesteckt worden war. Der selbsternannte Guru stürzt ab: Insolvenz, Strafverfahren, Flucht in die Türkei. 2012 folge ein internationaler Haftbefehl.

Der Kasseler Filmemacher Klaus Stern hat den umstrittenen Unternehmer Mehmet Göker mit zwei Dokumentarfilmen porträtiert. In "Versicherungsvertreter 2" zeigt er, wie Göker in der Türkei per Telefon weiter Versicherungen in Deutschland vermittelt - obwohl er mit einem internationalen Haftbefehl gesucht wird. Noch immer hat er zahlreiche Fans, für die er ein Selfmade-Millionär ist.

Nun ist der umstrittene Versicherungsvertreter laut  "Panorama – die Reporter. Die Rückkehr des Mehmet Göker" wieder im Versicherungsgeschäft aktiv. Anders als früher verkauft Göker keine Versicherungen mehr, sondern optimiert private Krankenversicherungstarife, heißt es im Bericht. Dafür habe er online freiberufliche Vermittler angeworben.  

In seinen Videos schwört der MEG-Gründer seine Zuschauer auf sein neues "Göker Konzept 2.0" ein. Dabei spricht er von fünfstelligen Monatsverdiensten und „keinerlei Stornohaftung“. Laut NDR-Recherchen, wickelt Göker seine Geschäfte nun über die "Finanz Check Rhein-Main GmbH" ab.

Im Fall einer Münchner Rentnerin soll Gökers Vermittler einen Anruf der Allianz Versicherung fingiert haben, in dem der Frau zu einem Abschluss geraten wurde. Daraufhin überwies die 67-Jährige 7.000 Euro an das Unternehmen. Die Allianz versichert, dass es eine solche Empfehlung nicht gegeben habe. Laut NDR-Recherchen sei der Tarifwechsel aber gar nicht durchführbar und die versprochenen vollkommen unrealistisch gewesen. Klare "Abzocke".

Ein ehemaliger Schüler berichtet, Göker habe ihn dazu gedrängt, sich in Telefonaten als Doktor zu bezeichnen, der an einer bestimmten Universität studiert habe. Wir mussten "Omas und Opas über den Tisch ziehen", so der Aussteiger. "Und damit kann man nachts nicht schlafen." Weder Göker noch das Unternehmen „Finanz Check Rhein-Main GmbH“ wollten gegenüber dem NDR Stellung zu den Vorwürfen beziehen.