Brandenburg erwartet afghanische Ortskräfte

Die Evakuierungsaktion der Bundeswehr in Kabul schreitet voran. Brandenburg hat wie andere Länder die Erstversorgung von Ortskräften und ihren Angehörigen zugesagt. Die ersten von ihnen sollen am Donnerstag ankommen.

Von dpa
Ein Flugzeug der Lufthansa landet am Flughafen Frankfurt.
Ein Flugzeug der Lufthansa landet am Flughafen Frankfurt. Sebastian Gollnow/dpa

Doberlug-Kirchhain - Brandenburg erwartet nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban an diesem Donnerstag die ersten Ortskräfte mit Familien aus Afghanistan und geht von einer dreistelligen Zahl aus. Wie andere Bundesländer hat Brandenburg dem Bund die Erstaufnahme der Menschen zugesagt. Sie sollten am frühen Morgen am Flughafen Frankfurt am Main landen und dann nach Brandenburg kommen, wie das Innenministerium am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam mitteilte. „Genaue Zahlen kennen wir noch nicht. Wir rechnen intern aber mit 100 bis 150, könnten im Extremfall aber maximal 350 aufnehmen“, sagte ein Ministeriumssprecher.

In der Außenstelle der Zentralen Ausländerbehörde in Doberlug-Kirchhain im Süden des Landes sei Platz für 350 Menschen, sagte der Chef der Zentralen Ausländerbehörde von Brandenburg, Olaf Jansen. Insgesamt stehen in der Einrichtung 1090 Plätze bereit, 350 seien derzeit belegt. Die Außenstelle habe man für die Ortskräfte ausgesucht, weil dort neben der Zentralstelle in Eisenhüttenstadt und der Einrichtung am Hauptstadtflughafen BER am meisten Platz sei, sagte Jansen. Das sei vor allem mit Blick auf die Abstandsregeln wegen der Corona-Pandemie wichtig.

Eigentlich sollten auf den Passagierlisten nur Ortskräfte - also lokale afghanische Mitarbeiter der Bundeswehr oder internationaler Organisationen - und ihre Familien stehen. Unter den Schutzsuchenden könnten aber auch asylberechtigte Menschen sein, beispielsweise evakuierte Journalisten oder Personen aus Drittstaaten. „Wir sind auf alle vorbereitet“, sagte Jansen. „Jeder, der jetzt evakuiert werden kann, dem ist geholfen.“

Die Menschen werden nach ihrer Ankunft wahrscheinlich drei bis vier Tage in Brandenburg bleiben. Sie werden auf das Coronavirus getestet, erhalten ein Hygienepaket, bei Bedarf medizinische Unterstützung und Kleidung, falls dies erforderlich ist. Dann sollen sie in andere Bundesländer verteilt werden. Einige könnten auch in Brandenburg bleiben. Wie viele das sind, war zunächst noch ungewiss.

Brandenburg hatte wie auch andere Bundesländer bereits zuvor schon afghanische Ortskräfte und ihre Familien aufgenommen. Nach Angaben des Innenministeriums sind es bisher 150 Menschen - 33 Ortskräfte und ihre Angehörigen. Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hatten Deutschland und andere westliche Staaten begonnen, ihre Staatsbürger und gefährdete afghanische Ortskräfte, die etwa für die Bundeswehr oder Hilfsorganisationen gearbeitet haben, in großer Eile auszufliegen. Daran ist die Bundeswehr beteiligt.

Mit Blick auf afghanische Flüchtlinge hatte Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) eine Stützung der Nachbarländer von Afghanistan für einen heimatnahen Schutz von Flüchtlingen gefordert. Er forderte, dass der Bund über zusätzliche Aufnahmekontingente nachdenken muss und hatte zugesagt, dass Brandenburg bereitstehe, um daran seinen Anteil zu leisten.