Hamburger Politiker würdigen KZ-Überlebende Esther Bejarano

Von dpa 10.07.2021, 15:50
Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister Hamburgs, steht in der Hamburger Bürgerschaft.
Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister Hamburgs, steht in der Hamburger Bürgerschaft. Marcus Brandt/dpa

Hamburg - Zahlreiche Hamburger Politiker haben die am Samstag in der Hansestadt gestorbene Jüdin und KZ-Überlebende Esther Bejarano als außergewöhnliche Bürgerin, Künstlerin und Aktivistin gewürdigt. Dabei hoben sie vor allem ihren unermüdlichen Einsatz gegen Antisemitismus und Rassismus hervor. „Mit dem Tod von Esther Bejarano verliert Hamburg eine außergewöhnliche Bürgerin, die sich bis ins hohe Alter für das Gemeinwohl engagierte“, sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) laut Mitteilung.

Bejarano war am Samstagmorgen nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 96 Jahren in ihrer Wahlheimat Hamburg gestorben. Sie überlebte den Holocaust, weil sie im Mädchenorchester von Auschwitz spielte. Bejarano engagierte sich Jahrzehnte lang gegen Rechtsextremismus, wofür sie zahlreiche Auszeichnungen erhielt.

Nachdem sie als junge Frau Nazi-Verfolgung, Zwangsarbeit und die Deportation nach Auschwitz überlebt hatte und 1960 aus Israel nach Hamburg gezogen war, habe sie es sich zur Lebensaufgabe gemacht, für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit einzutreten. „Mit ihren oft streitbaren Wortmeldungen hat sie über viele Jahrzehnte wichtige Impulse für Demokratie, Erinnerungskultur und Gleichberechtigung gegeben“, sagte Tschentscher.

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) teilte mit, Bejarano habe „wie kaum jemand an die Gräuel der NS-Verbrechen erinnert und jahrzehntelang Menschen aller Altersgruppen für dieses Thema wachgerüttelt“. Mit dem Tod der Zeitzeugen endeten auch die persönlichen Erinnerungen an die Verbrechen der Nazi-Diktatur und der Shoah. „Ihre unerschütterliche Stimme gegen Rassismus und Antisemitismus werden wir schmerzlich vermissen.“

Hamburgs Kultursenator Carsten Brodsa (SPD) zufolge hat Bejarano „die Erinnerungskultur unseres Landes geprägt wie kaum eine zweite Persönlichkeit“. Sie habe als Künstlerin und Aktivistin ein Leben lang an die Verbrechen der Shoah erinnert und diese Arbeit mit dem Kampf gegen Hass, Diskriminierung und rechte Gewalt verbunden. „Sie war ein großer Mensch. Ihre Stimme wird schmerzlich fehlen. Aber ihre Botschaft wird hoffentlich noch lange nachklingen und gehört werden.“

Hamburgs Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit würdigte Bejarano als „eine bewundernswerte, beeindruckende Persönlichkeit mit einer starken klaren Haltung“. Sie habe sich niemals den Mut nehmen lassen, mit der Macht der Worte und der Musik gegen Unterdrückung und Diktatur anzugehen. „Ihre Botschaften gegen das Vergessen und für den Frieden werden bleiben, sie sind eine immerwährende Aufgabe, der wir uns voller Überzeugung gemeinsam stellen.“

Die Linken-Fraktion der Hamburgischen Bürgerschaft bezeichnete Bejarano als „eine unermüdliche Kämpferin gegen Faschismus, Rassismus und Antisemitismus“. „Sie hat uns über viele Jahre inspiriert, angespornt und ermutigt - ob es darum ging, Nazis auf der Straße entgegenzutreten, die Aufklärung der NSU-Morde einzufordern oder im Parlament für antifaschistische Politik zu streiten“, sagte Fraktionsvorsitzende Sabine Boeddinghaus. Das Andenken an sie sei für die Partei mit einem klaren Auftrag verbunden: „Niemals aufgeben im Kampf gegen den Faschismus!“.