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Innehalten am Ground Zero

15 Jahre nach dem Anschlag auf die New Yorker Twin Towers geht der Kampf gegen den Terror weiter.

New York (dpa) l Als George W. Bush am Morgen des 11. September 2001 eine Grundschule in Florida betritt, scheint es ein Tag wie jeder andere zu werden. Der US-Präsident will mit Schülern ein Kinderbuch lesen. Doch dann, um 9.05 Uhr, als bereits ein erstes Passagierflugzeug in den Nordturm des World Trade Center in New York gestürzt ist, tritt Stabschef Andrew Card im Klassenzimmer hinter den Präsidenten und flüstert: „Amerika wird angegriffen.“

Zu diesen Zeitpunkt sind Hunderte Menschen tot und zwei weitere Passagiermaschinen in der Kontrolle von Terroristen. 102 Minuten vergehen vom Aufprall des ersten Flugzeugs bis zum Einsturz des zweiten Turms – es ist der schwerste Terrorangriff auf amerikanischem Boden aller Zeiten.

15 Jahre später ist fast jede Minute, jedes Detail, jede Anekdote von Opfern, Augenzeugen und Angehörigen rekonstruiert. Dokumentationen, Spielfilme, Sachbücher und Romane füllen Regale, die Zeitungsartikel mit Verweisen auf jenen Tag ganze Archive.

Wer den seinerzeit als Ground Zero bekannten Platz heute ohne Vorwissen besucht, ahnt zunächst nicht, welch tödliche Unterwelt sich hier aufgetan haben muss. Touristen knipsen lachend Selfies, Schüler necken sich, Familien ruhen im Schatten aus. „Es war wirklich ein wunderschöner Tag“, erinnert sich Anthony Palmeri an die Momente, bevor die erste Explosion den Stadtteil Tribeca erschütterte und schwarze Rauchsäulen am Himmel aufstiegen. 23 Jahre war der gebürtige New Yorker an jenem Dienstag schon bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv, als ihn der Notruf erreichte, der bis dahin undenkbar schien. Noch heute bricht seine Stimme, wenn er Besuchern von diesem Tag erzählt.

Seit fast neun Jahren führt Palmeri Touristen an diesen Ort und erzählt von dem Tag des Schreckens, an dem 2977 Menschen starben. „Es heilt mich. Es fühlt sich wie zu Hause an“, sagt Palmeri über seine unbezahlten Touren. „Es ist eines der besten Dinge, die ich je in meinem Leben getan habe.“ Immer wieder wischt er sich während seines Vortrags Tränen aus den Augen. Gegen Ende bittet er darum, Freunden und Familien zu Hause nicht nur irgendein Foto zu zeigen, sondern die ganze Geschichte zu erzählen.

„Du weißt wirklich nie, wie es sein wird, ein Präsident in Kriegszeiten zu sein, bis der Moment kommt“, sagt George W. Bush im Rückblick. „Der Krieg brach unerwartet über uns herein.“ Als schließlich das vierte gekaperte Flugzeug in Pennsylvania abgestürzt war, habe er gewusst: „So sieht Krieg im 21. Jahrhundert aus.“