US-Politik

Spannungen an der Taiwanstraße

Der neue US-Präsident Donald Trump stellt die Ein-China-Politik infrage. Er bekräftigt die Rolle der USA als Schutzmacht für Taiwan.

Von Steffen Honig

Washington l Mit warmen Worten gratulierte die taiwanesische Präsidentin Tsai Ing-wen US-Präsident Donald Trump zu seiner Amtseinführung. Über ihr persönliches Twitter-Konto schrieb sie an Trump und seinen Vize Mike Pence: „Es ist die Demokratie, welche Taiwan und die USA verbindet. Freue mich darauf, unsere Freundschaft und Partnerschaft voranzubringen.“

Die Politikerin der Demokratischen Fortschrittspartei weiß, was sie an der neuen Administration in Washington hat. Es ist lange her, dass sich ein US-Präsident so deutlich zu Taiwans Schutz vor dem chinesischen Zugriff bekannte wie Trump nach seiner Wahl.

Die Republik China, so der offizielle Name Taiwans, ist in ständiger Existenznot. Die Regierung in Peking betrachtet den Inselstaat als abtrünnige Provinz. Peking verurteilte den Trump-Vorstoß und verbat sich scharf jede Einmischung. In Taiwan wird immer wieder darüber gestritten, ob man die Beziehungen zur Volksrepublik vertiefen oder einen Unabhängigkeitskurs fahren sollte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Fronten geklärt: Maos Kommunisten hatten 1949 die Macht auf dem Festland übernommen. Kuomintang-Führer Tschiang Kai-schek war mit seinen Truppen nach Taiwan (Formosa) geflohen, sicherte unter dem Schutz der USA seine Herrschaft und erhob Anspruch auf ganz China. Demokratie gab es auf keiner Seite der Taiwanstraße, der Meerenge zwischen Insel und Kontinent. Tschiang Kai-schek regierte diktatorisch wie Mao Zedong.

Bis 1971 war Taiwan der chinesische Vertreter in der Uno. Dann wechselten die Vorzeichen: die Volksrepublik China bekam den UN-Sitz zugesprochen. Der Westen schwenkte auf die Ein-China-Politik zugunsten Pekings um. Seither sitzt das inzwischen demokratisierte Taiwan international am Katzentisch und muss befürchten, von der chinesischen Volksarmee überrannt zu werden.

Zunehmend gedeihlichen wirtschaftlichen Beziehungen tat das keinen Abbruch. Investoren aus dem hochentwickelten Taiwan siedelten sich in der Volksrepublik an. Auch der Tourismus entwickelte sich prächtig. Mit dem Status quo können beide Seiten leben.

Deshalb zieht der Stein, den Trump ins Wasser geworfen hat, weite Kreise. In Taiwan freut man sich nicht nur, sondern fürchtet auch, von China weiter in die Isolation getrieben zu werden. Bei einer weiteren Zuspitzung scheint nicht ausgeschlossen, was seit 1949 verhindert werden konnte: ein bewaffneter Konflikt.