Magdeburg l Sachsen hat bundesweit die mit Abstand meisten Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Dort wurden binnen sieben Tagen 319 Fälle je 100.000 Einwohner registriert – mehr als doppelt so viel wie der deutschlandweite Durchschnitt. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zieht die Notbremse. Die einschneidenden Maßnahmen seien die einzige Möglichkeit, das Infektionsgeschehen zu stoppen, sagte er.

Bayern erwägt den harten Lockdown ab Weihnachten. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) plädiert dafür, vom 24. Dezember bis zum 10. Januar alle Geschäfte außer denen des täglichen Bedarfs zu schließen.

Baden-Württemberg will hartnäckige Corona-Quarantäneverweigerer in Krankenhäuser zwangseinweisen. Mecklenburg-Vorpommern verbietet ab sofort den Ausschank von alkoholischen Getränken wie etwa Glühwein in der Öffentlichkeit.

Keine Lockerungen in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt sind Silvester keine Lockerungen der Corona-Regeln zu erwarten. „Silvester kann man ausbuchen“, sagte am Dienstag (8. Dezember) Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). „Da werden wir bei der straffen Regelung bleiben.“ Konkret: Es dürfen sich maximal fünf Menschen treffen, Kinder unter 14 Jahren nicht mitgezählt. Noch in der Diskussion ist derzeit, ob für Heiligabend und die Weihnachtsfeiertage Zusammenkünfte von bis zehn Menschen ermöglicht werden. Darüber entscheidet das Kabinett nächsten Montag.

Haseloff appellierte eindringlich an die Sachsen-Anhalter, die Corona-Regeln einzuhalten. Der Teil-Lockdown habe bisher nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht. Das liege auch daran, dass sich nicht alle an die Beschränkungen hielten. Haseloff: „Wir haben kein Regelungs-, sondern ein Vollzugsproblem.“ Wenn es in den nächsten Wochen nicht gelinge, die Zahlen zu senken, „müssen wir bis zum Jahresanfang Maßnahmen ergreifen, die ich in unserem Land vermeiden möchte“. Würden Hygieneregeln vor allem auch im privaten Bereich nicht mehr ernstgenommen, „werden wir Szenarien erleben, die sehr, sehr drastisch ausfallen können“, mahnte Haseloff.

Hotspot Burgenlandkreis

In Sachsen-Anhalt wurden vom 7. auf den 8. Dezember 443 Neuinfektionen registriert. Hotspot ist der Burgenlandkreis mit 104 neuen Fällen und einer Sieben-Tage-Inzidenz von 276.

Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sagte, sie blicke mit Sorge auf die Region an der Landesgrenze zu Sachsen. Sie warnte vor einem „Einkaufstourismus“ ins südliche Sachsen-Anhalt.

Leopoldina rät zu drastischen Einschnitten

Die Experten der Wissenschaftsakademie Leopoldina in Halle rieten gestern zu drastischen Einschnitten. Die Erfahrungen hätten gezeigt, „dass schnell eingesetzte, strenge Maßnahmen über einen kurzen Zeitraum erheblich dazu beitrügen, die Infektionszahlen deutlich zu senken und niedrig zu halten“, erklärten sie. „Ab dem 24. Dezember bis mindestens zum 10. Januar sollte in ganz Deutschland das öffentliche Leben weitgehend ruhen und ein harter Lockdown gelten.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) brachte schärfere Auflagen ins Gespräch. Sollten die Zahlen bis Weihnachten nicht sinken, „müssen wir das diskutieren“, sagte er. Er plädierte dafür, härtere Maßnahmen für einen kürzeren Zeitraum zu ergreifen. Auch eine erneute Schließung des Einzelhandels könne erforderlich sein.