Tel Aviv (dpa) | Israels Luftwaffe beschoss als Reaktion auf Raketenangriffe aus dem Gazastreifen seit Sonnabend massiv Ziele in dem Küstenstreifen. In dem Palästinensergebiet wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza seit Sonnabend mindestens sechs Palästinenser getötet, darunter eine schwangere Frau und ihr einjähriges Kind. 47 weitere Palästinenser seien verletzt worden.

Die israelische Armee bestritt jedoch am Sonntag, für den Tod der Palästinenserin und ihres Kindes verantwortlich zu sein. Der Militärsprecher Jonathan Conricus sagte, die beiden seien von einer fehlgeleiteten Rakete der im Gazastreifen herrschenden Hamas getötet worden. Diese Einschätzung basiere auf „Geheimdienstinformationen aus verschiedenen Quellen“, sagte er. „Wir sind 100 Prozent sicher, dass es nicht durch Waffen der israelischen Armee war.“ In Israel wurden nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom 83 Menschen verletzt, darunter eine 80-Jährige, die in Kiriat Gat durch Raketensplitter schwere Verletzungen erlitt.

Seit Sonnabend haben militante Palästinenser nach israelischen Militärangaben rund 450 Raketen und Mörsergranaten auf israelische Ortschaften abgefeuert. Am Sonntag dauerten die Raketenangriffe an. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu versammelte seine Minister am Sonntag zu einer Dringlichkeitssitzung. „Ich habe die Armee heute Morgen angewiesen, die massiven Angriffe auf Terrorziele im Gazastreifen fortzusetzen und die Streitkräfte am Rande des Gazastreifens mit Panzer-, Artillerie- und Infanterietruppen zu verstärken“, sagte Netanjahu. Die Hamas trage die Verantwortung für alle Angriffe aus dem Küstenstreifen und zahle bereits einen hohen Preis dafür.

ESC-Proben gehen erstmal weiter

Die Eskalation passiert nur eine Woche vor dem internationalen Gesangswettbewerb Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv. Bisher blieb Tel Aviv von der jüngsten Runde der Gewalt verschont. Militante Palästinenserorganisationen drohten jedoch nach Medienberichten mit einer Ausweitung der Angriffe auch auf die Küstenmetropole. Ägypten bemühe sich um eine Waffenruhe.Ein Sprecher der Europäischen Rundfunkunion, Veranstalterin des ESC, sagte, man verfolge die Lage aufmerksam und die ESC-Proben gingen normal weiter.