Regelungen in europäischen Hauptstädten

Berlin: In die Umweltzone dürfen nur Autos mit grüner Plakette einfahren. Die erhalten Benziner und Diesel, die die Abgasnorm Euro 4 (verabschiedet 2005) erfüllen. Das sind die meisten Benziner mit Katalysator.

London: Die „Low Emission Zone“ in London gilt nur für LKW, Wohnwagen oder Kleinbusse. Es gilt der Mindeststandard der Abgasnorm Euro 3 (verabschiedet 2000) oder Euro 4 (verabschiedet 2005) für Diesel und Benziner je nach Fahrzeuggröße.

Stockholm: Seit letztem Jahr erlaubt Stockholm nur noch den Euro-4-Standard (verabschiedet 2005), ab nächstem Jahr sogar nur noch den Euro-5-Standard (verabschiedet 2009).

Paris (dpa) l Die „Ente“ darf weiter über die Champs-Élysées rollen. Für organisierte Touristen-Fahrten, wie sie mit dem legendären Citroën 2CV angeboten werden, drückt Paris ein Auge zu. Von ein paar Ausnahmen abgesehen macht die französische Hauptstadt jedoch Ernst: Alte Autos sind in der Stadt seit einigen Wochen tabu. Es ist erst der Anfang eines radikalen Plans, mit dem Paris endlich die Luftverschmutzung in den Griff bekommen möchte.

Wer eine Erstzulassung vor 1997 im Fahrzeugschein stehen hat, muss seit dem 1. Juli vor der Stadtgrenze auf die Metro umsteigen. Das Verbot soll in den kommenden Jahren schrittweise ausgeweitet werden. Diesel-Fahrzeuge will die französische Hauptstadt bis 2020 sogar komplett verbieten.

"Gesundheitsskandal"

Mit dieser Ankündigung hatte Bürgermeisterin Anne Hidalgo Ende 2014 für viel Wirbel gesorgt. Nach dem VW-Abgasskandal und der dadurch losgetretenen Debatte um Emissionswerte sehen ihre Mitstreiter sich erst recht auf dem richtigen Weg – per Verbots-Verordnung treibt das Rathaus die Pläne gegen alle Widerstände voran. „Der Diesel ist ein echter Gesundheitsskandal“, urteilt der für Verkehr zuständige Beigeordnete Christophe Najdovski.

Der Handlungsbedarf ist groß. Entlang der Pariser Verkehrsachsen sind die Werte für Stickstoffdioxid und Feinstaub teilweise doppelt so hoch wie der Grenzwert. 1,5 Millionen Menschen in der Region sind Luftwerten ausgesetzt, die die geltenden Regeln nicht einhalten. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Messstationen 26 Tage, an denen die Verschmutzung besonders hoch war: „Während einer Verschmutzungs-Spitze in Paris zu leben ist so, als würde man den Rauch von acht Zigaretten in einem Zimmer von 20 Quadratmetern einatmen“, warnt die Stadt.

Die Ergebnisse der Pariser Verbote sind noch bescheiden, wie auch die Stadt einräumt. Man habe langsam angefangen, erklärt der Grünen-Politiker Najdovski. Noch droht bei Verstößen nur eine Ermahnung, ab Oktober gibt es ein Bußgeld von zunächst 35 Euro, im kommenden Jahr steigt es auf 68 Euro.

Ab 2017 keine Autos von vor 2001

Kritiker stellen die Umweltwirkung der Maßnahmen infrage. Und sie zitieren einen Experten, dass die betroffenen Autos schätzungsweise 50 Prozent ihres Wertes verlören. Die Autofahrer-Lobby reichte deshalb auch Klagen auf Entschädigung ein. Letztlich stellt sich auch die Frage, wie rigoros die Regeln durchgesetzt werden. Oldtimer-Freunde konnten immerhin durchsetzen, dass mehr als 30 Jahre alte Fahrzeuge mit französischem Sammler-Kennzeichen weiterhin nach Paris dürfen. Die Stadt lässt sich nicht beirren: Die Sozialistin Anne Hidalgo will im Sommer 2017 das Verbot auf Autos ausgeweiten, die vor 2001 zugelassen wurden.