Bonn l Comedian Dieter Nuhr beschwert sich beim Fernsehsender Phoenix über Entrüstungsstürme im Internet - und löst mit seiner Äußerung gleich den nächsten aus. Der Shitstorm sei laut Nuhr die "humane Variante des Pogroms", erklärt er im Gespräch mit Phoenix-Moderator Alfred Schier.

Journalist Schier versucht Nuhr anschließend darauf aufmerksam zu machen, dass der Begriff Pogrom in Deutschland eng mit der Judenverfolgung verknüpft sei. Nuhr daraufhin: "Die Funktionsweise ist ja dieselbe: Menschen versammeln sich – nur nicht mit Fackeln und Mistgabeln in der Hand, sondern mit der Tastatur – und versuchen, psychologisch jemanden zu überwältigen." Dieter Nuhr selbst fand das "lustig und gut". Die Aussagen werden seitdem auf Twitter unter dem Hashtag #Nuhr scharf kritisiert.

"Wer Satire auf Kosten marginalisierter und diskriminierter Menschen macht, muss damit rechnen, kritisiert zu werden. Wer dann legitime Kritik mit Pogromen vergleicht, betreibt zusätzlich Geschichtsrevisionismus und relativiert schwere Verbrechen.”, schrieb die Bildungsstätte Anne Frank zum Interview.

Der 59-Jährige ergänzte später im Interview: "Nur, dass das Pogrom in der richtigen Welt funktioniert hat und zur physischen Vernichtung geführt hat, und das will ich keinesfalls vergleichen." Der Versuch, seine vorherige Aussage so etwas zu entschärfen, funktionierte offensichtlich nicht. Er selbst hat sich nach seinem erneuten Twitter-Shitstorm bislang nicht mehr geäußert.

Zuerst hatten RND und T-Online über das Interview mit den umstrittenen Aussagen berichtet.