Vom Militärflugplatz zum Energiepark

Der ehemalige Militärflugplatz in Zerbst ist heute der größte Energiepark in Sachsen-Anhalt. Zehn Windkraftanlagen, ein Photovoltaikpark und eine Biogasanlage erbringen zusammen eine Leistung von rund 80 Megawatt.

Seit 2004 ist der Flugplatz im Besitz des Magdeburger Energiedienstleisters Getec. Ursprünglich als Flugfeld für die Wehrmacht gebaut, wurde das Gelände ab 1945 von der Roten Armee genutzt. Während der DDR sollen bis zu 10 000 Soldaten in der dortigen Militärstadt gelebt haben. Nach der Wende wurde der Platz nur noch vereinzelt für die zivile Luftfahrt genutzt. (ba)

Zerbst l Die Rotoren der neuen Windenergie-Anlagen auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Zerbst (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) ragen bis zu 140 Meter in die Höhe. Für 52 Millionen Euro hat der Magdeburger Energiedienstleister Getec die Kolosse errichten lassen. Rechnerisch können mit ihnen 23 000 Haushalte für ein Jahr mit Strom versorgt werden. Die Windräder befinden sich auf dem Gelände in Zerbst in guter Gesellschaft. Bereits seit 2011 ist ein Solarpark in Betrieb, seit dem vergangenen Jahr erzeugt zudem eine Biomethananlage Strom und Wärme. „Wir zeigen hier vor Ort, wie die Energiewende tatsächlich gelingt“, sagte Getec-Vorstandschef Karl Gerhold am Freitag.

Rentable Einspeisevergütung

Die erzeugte Energie soll über ein eigens errichtetes Umspannwerk in das Stromnetz eingespeist werden. Für Getec ein Geschäft, das sich rechnen dürfte. Die Magdeburger erwarten eine Einspeisevergütung von rund sieben Millionen Euro jährlich.

Getec hat für das Projekt in Zerbst zusammen mit Siemens eine Allianz geschmiedet. Der Elektronikkonzern sieht seine Zukunft im Bau von Windenergieanlagen. Erst vor wenigen Monaten hatten die Münchner Pläne bekannt gegeben, in Cuxhaven für rund 200 Millionen Euro eine Fabrik zur Produktion der Stromerzeuger zu errichten. Auch das Projekt in Zerbst zusammen mit Getec soll für Siemens nicht das letzte gewesen sein. „Wir haben eine Absichtserklärung unterzeichnet und planen zusammen den Bau weiterer Windparks“, sagte Markus Tacke, Chef der Siemens-Windsparte, der Volksstimme.

Getec baut auch Batteriespeicher in Zerbst

Getec will unterdessen in Zerbst weiter investieren. Im kommenden Jahr bauen die Magdeburger einen Batteriespeicher, in dem der erzeugte Strom aus Sonne, Wind und Biomasse kurzzeitig gespeichert werden kann. „Mit der Kombination von mehreren regenerativen Energiequellen, deren Zusammenwirken mit dem großen Speicher sowie weiterer Projekte ist es unser Ziel, langfristig die Versorgung sicherzustellen“, erklärte Chris Döhring, Vorstand der Getec-Tochterfirma Green Energy, die den Energiepark in Zerbst betreibt.

Der ehemalige Flugplatz ist für den Magdeburger Konzern ein Mammut-Projekt. In den Solarpark, die Biogasanlage und die Windkraftanlagen sind bislang etwa 160 Millionen Euro geflossen. „Nach dem Bau des Batteriespeichers werden wir die 200 Millionen Euro Investment-Grenze überschritten haben“, sagte Getec-Boss Gerhold.

Musterschüler Sachsen-Anhalt

Rückenwind erhält der Energiedienstleister auch von der Landesregierung. Landesentwicklungsminister Thomas Webel (CDU) bescheinigte dem Projekt eine hohe Innovationskraft. Sachsen-Anhalt ist im bundesweiten Vergleich einer der Vorreiter bei dem Ausbau von erneuerbaren Energien. Im vergangenen Jahr sind knapp elf Milliarden Kilowattstunden Strom aus Wind, Sonne und Co. erzeugt worden. Im Land stehen rund 2600 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung, die rechnerisch fast vier Kernkraftwerken entspricht. Zudem sind rund 23 000 Photovoltaik-Anlagen installiert.