Magdeburg/Berlin l Der Städte- und Gemeindebund warnt vor einer Verödung der Innenstädte. Durch den Boom des Online-Handels seien bis zu 50 000 Läden in den städtischen Zentren in Gefahr, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Gerd Landsberg, den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“. „Leere Schaufenster in unseren Innenstädten führen zu einer Abwärtsspirale, die Zentren verlieren an Attraktivität“, erklärte er.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) malt ebenso ein schwarzes Bild. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sagte: „Vor allem kleine und mittelständische Händler geraten immer mehr unter Druck. Bis 2020 könnten in der Folge des Strukturwandels bis zu 50 000 Standorte vom Markt verschwinden.“

Auch Magdeburger Innenstadt betroffen

Ähnliche Ängste teilt auch die Interessengemeinschaft (IG) Innenstadt in Magdeburg. „Aktuell haben wir in der Innenstadt rund 40 leerstehende Geschäfte“, weiß Sprecher Arno Frommhagen. Dennoch seien die Innenstädte bei einem Blick in die Straßen keineswegs leer. „Die Frequenz in der Innenstadt ist gut“, bestätigt der IG-Sprecher, räumt aber ein: „Die Kunden gehen in die Geschäfte, schauen sich um, kaufen dann aber online das eigentliche Produkt.“

Das will Knut Bernsen, Geschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen-Anhalt, nicht einfach bestätigen. „Die Zeiten der Schwarz-Weiß-Malerei sind vorbei“, bekräftigt er. Vielmehr seien auch die Einzelhändler vor Ort im Online-Handel aktiv. „Rund 30 Prozent der Händler in unserem Bereich haben bereits einen Shop im Internet.“ Die Mehrheit aller sei zudem dem Internet nicht abgeneigt. Zwar könne man rund um die Uhr und bequemer online auf Shoppingtour gehen. Doch der stationäre Einzelhandel ist noch immer beliebt. Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage der Management-Beratung Porsche Consulting, über die die „Welt“ berichtete. „Das ist ein deutliches Votum für den Einzelhändler am Ort“, meinte Porsche-Consulting-Experte David Blecher.

Rund 85 Prozent der Deutschen würden demnach bei Großanschaffungen über 500 Euro in das Geschäft ihres Vertrauens gehen. Dafür seien acht von zehn Kunden sogar bereit, etwas mehr Geld zu zahlen. Das kann auch Knut Bernsen bestätigen: „Viele Leute infomieren sich online, kaufen dann aber im stationären Handel.“ So könne beispielsweise auch „ein guter Spielwarenhändler“ überleben, erläutert Knut Bernsen. Wenn das Sortiment und die persönliche Fachberatung stimmten, sei die „Herausforderung“ Online-Handel zu stemmen.

Einen anderen Weg im Bereich des Online-Handels versucht die IG Innenstadt in Magdeburg zu gehen. Es gibt Gespräche mit Anbietern von Internet-Marktplätzen. Damit könnten die Inhaber eine Art virtuellen Wochenmarkt für ihre Region ins Leben rufen. „Man muss aber auch bedenken, dass wir darin noch keine Erfahrungen haben und es immer auch ein wirtschaftliches Risiko bedeutet“, beleuchtet IG-Sprecher Frommhagen die Hürden auf diesem Weg.

Auch in anderen Städten des Bundeslandes habe es schon solche Ideen gegeben, weiß Knut Bernsen. „Durchgesetzt hat sich bisher noch keine“, warnt der Geschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen-Anhalt.