Emeritio

45 emeritierte Professoren sind Mitglied des Netzwerks Emeritio, das im Jahre 2014 seine Arbeit aufnahm. Pensionierte Hochschullehrer aus fast allen Fachgebieten sind vertreten. Bei ihren monatlichen Treffen diskutierten die Wissenschaftler über aktuelle politische und gesellschaftliche Prozesse. Ziel von Emeritio ist es, das Wissen und die Erfahrung der Professoren zu bündeln und Gesellschaft, Politik und Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Mitglied bei dem erlesenen Club kann werden, wer mindestens 60 Jahre alt ist und seine Laufbahn an der Hochschule beendet hat. (ba)

Mehr Informationen unter www.emeritio.de

Magdeburg l Es ist ein unbarmherziges Ende einer akademischen Laufbahn. Spätestens im Alter von 68 Jahren werden Hochschullehrer an deutschen Universitäten in den Ruhestand versetzt und emeritiert. Das Ruhestandsalter trennt Erfahrungen, Wissen und Forschungs-Ergebnisse abrupt vom universitären Alltag ab. Nicht selten fühlen sich die Forscher jedoch topfit und haben keine Lust auf Freizeit.

Viktor Otte, ehemaliger Lehrstuhlinhaber an der Universität Wuppertal, hatte vor rund zwei Jahren genug vom Ruhestand. In Magdeburg gründete er zusammen mit drei weiteren Kollegen das Professoren-Netzwerk Emeritio. Mittlerweile sind 45 ehemalige Hochschullehrer Mitglieder des Clubs, in dem politische und gesellschaftliche Fragen diskutiert und Lösungen für Politik und Unternehmen erarbeitet werden. Die pensionierten Akademiker sind ein weiser Rat.

Informieren, diskutieren, beraten

„Wir sind der Meinung, dass wir noch nützlich sind“, sagt der 74-jährige Otte. Regelmäßig trifft das Kollegium zusammen, tauscht sich aus, diskutiert: Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) und Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) sind bereits zu Gast gewesen. Tino Grosche ist der Mann, der die Professoren in Magdeburg zusammengebracht hat. „Mir geht es darum, das Fachwissen emeritierter Professoren in industrielle, wissenschaftliche, politische und andere wichtige Strukturen der Gesellschaft einzubringen“, erklärt Grosche, der die Treffen koordiniert und Gäste einlädt.

Bilder

Mit ihrer Expertise sind die Wissenschaftler im Ruhestand nach wie vor gefragt: Für das Verkehrsministerium führen die Professoren derzeit zwei Forschungsprojekte durch: In einer Studie nehmen sie die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum unter die Lupe, eine weitere Arbeit beschäftigt sich mit der Willkommenskultur für ausländische Akademiker. Beide Projekte laufen noch bis Ende des Jahres. Dann müssen die ehemaligen Hochschullehrer Ergebnisse liefern.

„Geld, das durch die Forschungsprojekte eingeworben wird, dient dazu, die Studien zu finanzieren“, erklärt Otte. Ihr Wissen stellen die Forscher auch Unternehmen in Sachsen-Anhalt zur Verfügung. „Unser Angebot richtet sich an Firmen, die Arbeitsabläufe und Technologien auf den Prüfstand stellen möchten, ihr Produkt-Portfolio verändern wollen oder konkrete technische Fragen haben“, sagt Adolf Neubauer, der 77 Jahre alt ist und Professor für Fertigungstechnik an der Universität Magdeburg war. Die Wissenschaftler fühlen sich nur der Wissenschaft verpflichtet und beraten unabhängig. „Wir müssen keine Rücksicht auf Arbeitgeber oder ehemalige Institute nehmen“, sagt Neubauer.

Blick nach vorne

Das Professoren-Netzwerk in Magdeburg will das Land Sachsen-Anhalt nach vorne bringen. „Uns geht es darum, die Leistungsfähigkeit des Standortes wieder auszugraben. Wir wollen Traditionen pflegen, aber mit dem Blick für die Zukunft“, sagt Gründungsmitglied Viktor Otte.