Haldensleben l Offiziell bestätigen wollte (oder konnte) niemand die Meldung der Nachrichtenagentur Reuters, wonach der Automobilzulieferer Ifa Rotorion (Haldensleben) zum Verkauf steht.

Die Geschäftsführung war nicht erreichbar, das Wirtschaftsministerium wusste von nichts, und Heinrich von Nathusius wollte sich nicht äußern. Er habe keine Zeit, beschied er. „Ich habe eine lange Autofahrt vor mir.“ Allerdings: Ein Dementi der brisanten Meldung gab es auch Stunden nach deren Verbreitung nicht. Reuters hatte mit der Nachricht für Furore gesorgt, dass die Familieneigner (die Unternehmerfamilie von Nathusius) die Investmentbank Rothschild beauftragt hätten, einen Käufer für den Gelenkwellenhersteller zu suchen.

Ifa gehört zu den Weltmarktführern unter den Herstellern von Pkw-Antrieben. Die Gruppe verzeichnete zuletzt einen Jahresumsatz von 650 Millionen Euro und beschäftigt weltweit rund 3000 Mitarbeiter. Die Ifa- Gruppe mit Stammsitz in Haldensleben (hier: 1950 Mitarbeiter/3,5 Milllionen Längswellen pro Jahr) und Niederlassungen in den USA, China und Polen beliefert Autohersteller weltweit. Im Januar hatte Ifa-Geschäftsführer Robert Gutsche der Volksstimme gesagt, der Automobilzulieferer werde sein China-Geschäft ausbauen. Bis Ende 2018 solle die Produktionshalle in Shanghai für fünf Millionen Euro erweitert und der Ausstoß mehr als verdoppelt werden.

Fusion mehrerer Unternehmen

Das Unternehmen hat seine Wurzeln in der Firma Ifa-Gelenkwelle, die 1959 in Ostdeutschland unter staatlicher Regie durch die Fusion mehrerer Maschinenunternehmen entstand. Heinrich von Nathusius kaufte die Ifa GmbH 1992 und baute sie zu einem weltmarktfähigen Unternehmen um. Im Jahr 2009 kaufte die Ifa den Gelenkwellenhersteller Rotorion von Daimler.

Laut Reuters gehen Experten davon aus, dass Ifa Rotorion im laufenden Jahr ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibung (Ebitda) von rund 60 Millionen Euro erzielen wird. Auf dieser Grundlage werde das Unternehmens mit rund dem Achtfachen bewertet und somit mit etwa 500 Millionen Euro.

Unter deutschen Autozulieferern hat es zuletzt mehrere Veränderungen im Eigentümerkreis gegeben – und einige stehen bevor. So will das chinesische Unternehmen Ningbo Jifeng den deutschen Zulieferer Grammer übernehmen.

Gegen Heinrich von Nathusius, der zwischenzeitlich auch Geschäftsführer der Mifa in Sangerhausen war, laufen Millionenklagen. Die Landes-Investitionsbank fordert fünf Millionen Euro aus einer Bürgschaft zurück. Und der Insolvenzverwalter des Fahrradherstellers Mifa, Lucas Flöther, fordert zehn Millionen Euro. Es geht um den Vorwurf der Insolvenzverschleppung. Von Nathusius bestreitet das vehement.