Backen in siebter Generation

Bäckerei Möhring kann auf eine mehr als 175 Jahre andauernde Betriebsgeschichte zurückblicken. Marcus Ostendorf ist Vertreter der bereits siebten Bäckergeneration. Seit 2017 ist er im Besitz des Meisterbriefes, Nachhaltigkeit und Regionalität sind die wichtigsten Prinzipien im Tagesgeschäft.

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Magdeburg l Früh ist Marcus Ostendorf aufgestanden. Und sprüht trotzdem nur so vor Energie. Der Bäcker steht mitunter von ein Uhr nachts bis 18 Uhr in der Backstube. Er wird das Familiengeschäft in Meitzendorf irgendwann von seiner Mutter Kerstin Ostendorf übernehmen.

Die Bäckerei Möhring bezieht viele ihrer Produkte aus der Region, etwa Champagner-Roggen von einer Mühle aus Thale (Landkreis Harz) oder Algen von PureRaw aus Klötze (Altmarkkreis Salzwedel). Nur einige wenige Produkte kommen nicht aus Sachsen-Anhalt. Etwa Schokolade, Kaffee oder Butter. Besonders wichtig für die Ostendorfs: Sie achten beim Einkauf von nicht-regionalen Produkten auf fairen Handel und gute Arbeitsbedingungen vor Ort.

Umweltallianz Sachsen-Anhalt

Auch außerhalb der Backstube setzt sich Marcus Ostendorf für regionale Produkte ein. Als Botschafter der Umweltallianz Sachsen-Anhalt ist er immer dabei, neue Verbindungen aufzubauen. „Ich renne auf jedem Kreativmarkt rum“, sagt der junge Bäcker. Als Nächstes nimmt er am „Bestform“-Wettbewerb teil. Der von Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) ausgelobte Landeswettbewerb würdigt seit 2013 gemeinsame Entwicklungen von Kreativen und ihren Wirtschaftspartnern. Noch bis 18. April können Firmen mit Sitz in Sachsen-Anhalt ihre Ideen einreichen. Der erste Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Von Marcus Ostendorfs Prinzipien sind die Unternehmen, mit denen er zusammenarbeitet, nicht immer schnell überzeugt. „Da ist immer das Argument, Regionales würde mehr Zeit und Geld kosten. Das stimmt aber nicht.“ Sein Argument: Die Menschen wären bereit, für qualitativ hochwertige und regionale Produkte mehr zu zahlen. Allerdings dauere es, sich ein lokales Netzwerk aufzubauen. „Aber es lohnt sich“, sagt Bäcker Ostendorf. „Ich habe ganz tolle, kreative Menschen mit einem Blick für Regionalität kennengelernt“, erzählt er. Aktuell arbeitet er etwa mit dem Burgerladen Beat Burger in Magdeburg und dem Brauhaus Brewkau im Stadtteil Buckau zusammen. Das nächste Projekt: Recycelte Brottaschen aus Beuteln der belgischen Armee.

Immer wieder neue Rezepte

Eine Brotlinie kommt bei den Kunden besonders gut an: die „Das-da-Brote“. Dafür entwickelt Marcus Ostendorf alle zwei Wochen neue Rezepte. Der Name wurde aus dem täglichen Geschäft übernommen. Denn: „Ich hätte gerne das da“ hört man in der Bäckerei häufig. Im April wird es ein „Best of“ geben. Online kann darüber abgestimmt werden, welche Brote für einen Monat wieder auf der Ladentheke Einzug halten sollen.

Die Bäckerei setzt sich gegen Lebensmittelverschwendung ein. Denn: In Deutschland werden jährlich 11 Millionen Tonnen Essen weggeworfen. Das sind rund 80 Kilo pro Kopf.

Keine Lebensmittel im Müll dank App

Bei den Ostendorfs landen durch die App „Too good to go“ seit fast zwei Jahren keine guten Lebensmittel mehr im Müll. Das Prinzip: Der Kunde guckt in die App. Die sagt ihm, dass etwas übrigbleibt. Eine Tüte mit Brötchen, Brot oder Kuchen liegt dann zum Preis von 3,50 Euro zur Abholung bereit. Gezahlt wird bargeldlos per App. „Wenn wir um 18.15 Uhr inserieren, sind wir bis 18.45 Uhr ausverkauft“, freut sich Kerstin Ostendorf.