Magdeburg (dpa) l Sinkende Preise, Konkurrenz durch Großunternehmen und die Herausforderungen des Klimawandels: Wer heute eine landwirtschaftliche Existenz gründet, geht ein hohes Risiko ein. Sachsen-Anhalt will jungen Landwirten helfen, im hart umkämpften Umfeld der Lebensmittelproduktion mit eigenen Unternehmen Fuß zu fassen. 2017 legte das Land daher eine Gründungsförderung für Junglandwirte auf - und die wird immer beliebter.

In den ersten beiden Jahren hatten insgesamt 30 Jungbauern die Förderung bekommen, 2019 kamen noch einmal 23 dazu, wie das Umweltministerium mitteilte. Die Förderung können Landwirte beantragen, die höchstens 40 Jahre alt sind, ausreichende Qualifikationen vorweisen und sich erstmals mit einem landwirtschaftlichen Betrieb niederlassen. Knapp 3,6 Millionen Euro an Fördermitteln hat das Umweltministerium bisher insgesamt bewilligt.

Zu den ersten geförderten Landwirten 2017 gehörte neben „Hühner-Bauer“ Michael Heage aus Hüttenrode auch Jung-Winzer Konrad Buddrus. Der Sohn eines Kfz-Mechanikers und einer Erzieherin kam in seiner Jugend zur Winzerei, als er sich Taschengeld verdienen wollte. „Das hat mir Spaß gemacht, und so bin ich dann da reingeraten“, sagt der 25-Jährige. So arbeitete er auf Weingütern in Neuseeland und Österreich und machte schließlich in Franken seinen Techniker für Weinbau und Kellerwirtschaft. Mit seiner Freundin Eva kehrte er nach Sachsen-Anhalt zurück und gründete Ende 2016 ein Weingut in Laucha an der Unstrut (Burgenlandkreis). Seit 2017 bauen die beiden Silvaner, Portugieser, Gutedel, Müller-Thurgau und weitere Rebsorten an.

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Als „Konni und Evi“ präsentieren sich die beiden in Sozialen Medien, lassen sich auf Instagram bei der Arbeit im Weinberg über die Schulter schauen. Beim Anbau und Keltern selbst geht es deutlich uriger zu. Man mache einen sehr traditionellen Weinbau, erklärt der Winzer. Der Betrieb produziert biodynamisch, setzt auf typische Rebsorten der Region und verzichtet auf zugekaufte Dünger.

Gerade die hohen Anschaffungskosten zur Existenzgründung seien für viele junge Landwirte eine hohe Hürde, sagt Buddrus. In seinem Fall schlugen vor allem die Holzfässer zu Buche, die er von einem Böttcher aus der Region aus Harzer Eiche anfertigen ließ. Die seien drei- bis viermal so teuer gewesen wie herkömmliche Edelstahlfässer. „Dabei hat uns die Förderung unheimlich geholfen.“

Der Schwerpunkt des Förderprogramms liegt auf den ersten beiden Jahren: In der ersten Tranche überweist das Land 35.000 Euro, nach zwei Jahren werden 21.000 Euro ausgeschüttet, im fünften Jahr gibt es dann noch weitere 14.000 Euro. Sachsen-Anhalt ist nach Angaben des Ministeriums das einzige Bundesland, das eine derartige Förderung anbietet.

Gerade die ersten beiden Jahre, in denen der Wein noch reifte und sie trotz der hohen Investitionen keine Einnahmen hatten, wären ohne das Geld vom Land schwierig geworden, sagt Buddrus. Inzwischen sind seine ersten Weine längst verkauft. „Mit dem Absatz haben wir keine Probleme, wir sind immer sehr schnell ausverkauft“, berichtet der junge Winzer.