Die wachsende Schere der Mietpreisentwicklung zwischen Städten und ländlichem Raum ist ein Symptom des tiefgreifenden Strukturwandels, in dem Sachsen-Anhalt steckt. Während die Zentren – auch dank öffentlicher Investitionen – zunehmend als Wohnorte an Anziehungskraft gewinnen, verliert das Land eben durch das Fehlen solcher Investitionen an Attraktivität.

Das kann man positiv umdeuten. Und Ökonomen tun das. Die Stärken ländlicher Räume lägen in niedrigen Mieten und viel Natur, kann man dann lesen. Was sie verschweigen: Niedrige Mieten können fehlende Ärzte, geschlossene Bankfilialen und fehlendes Breitband nicht wettmachen. Die Menschen werden so nicht nur von den Städten angezogen, der Verlust der Infrastruktur auf dem Land nötigt sie auch, ihre eigentlich lebenswerte Heimat zu verlassen. Will die Politik Wähler auf dem Land nicht verlieren, ist ein Gegensteuern nötig. Jüngste Positionen etwa des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung geben immerhin Hoffnung.