Chemnitz/Kabelsketal (dpa) l Der Hubschrauber bleibt, doch die Drohne kommt: Der ostdeutsche Stromnetzbetreiber Mitnetz testet Ende Januar im Südraum von Leipzig erstmals unbemannte Flugobjekte für Kontrollflüge über Hochspannungsleitungen. Wie das Unternehmen mit Sitz in Kabelsketal am Dienstag mitteilte, werden dabei mit einer Kamera an der Drohne Bilder von Seilen, Masten und Traversen aufgenommen. Die Aufnahmen würden dann mit Hilfe einer Software automatisiert und mit Unterstützung Künstlicher Intelligenz ausgewertet, um Schäden zu erkennen.

Andere Stromkonzerne und Netzbetreiber nutzen ebenfalls die millimetergenau arbeitenden und kostengünstigeren Drohnen – auch, um die stark beanspruchten Netze zur Überprüfung nicht abschalten zu müssen. Zumal mit dem deutlichen Ausbau von Ökostrom der Bedarf an Stromtrassen wächst und herkömmliche Wartungsmethoden und Inspektionen als zeitaufwendig sowie teuer gelten.

Drohnen könnten Hubschrauber ersetzen

Bislang werden die Leitungen von Mitnetz mit einer Länge von rund 3000 Kilometern zweimal pro Jahr aus der Luft ausschließlich mit Hubschraubern überwacht. Dabei überprüft ein Experte die Masten und Leitungen visuell und mit Fotos auf Beschädigungen und Gefährdungen. Über die Freileitungen wird der Strom zwischen Umspannwerken verteilt. Haushalte bekommen den Strom über Niederspannungsnetze.

Heiko Orgass sitzt in der Hubschrauberkabine neben dem Piloten und führt akribisch Buch. Für den Mitnetz-Experten ist ein Kontrollflug Routine. Mit wachem Auge hält er Ausschau nach Schäden und Unregelmäßigkeiten, notiert und fotografiert, was ihm auffällt. „Es geht um alles, was defekt sein kann: Mast, Isolatoren, Leitungen und Signierungen, also die Beschriftungen an den Masten.“ Auch wird erfasst, wo Vögel ihre Nester beziehungsweise Horste in Stahlmasten gebaut haben. Die Nester dürften nicht heruntergenommen werden.

Effizientere Flüge

Langsam gleitet der Helikopter an den Stromleitungen entlang. Das Durchschnittstempo liegt bei nur 15 bis 20 Kilometern pro Stunde, relativ nah an den 110 000-Volt-Leitungen – zwischen 10 und 20 Metern entfernt. Nur so lassen sich Schäden erkennen, die von Blitzeinschlägen, Stürmen oder Materialermüdung verursacht sein können. Zudem werden aus der Luft die Trassen kontrolliert. Wesentlicher Aspekt dabei: die Holzfreihaltung.

Perspektivisch könnte ihm Arbeit abgenommen werden, wenn der automatisierte Einsatz von Drohnen neben dem Hubschrauber etabliert werden sollte. „Denn mit dem Einsatz von Drohnen können wir zukünftig, sobald die Technik zuverlässig funktioniert, automatisierter, objektiver und effizienter unsere Leitungen inspizieren“, sagt Projektleiter Jens Hache.