Halle l Das in die Tage gekommene, staubgraue Gebäude des Landesamtes für Umweltschutz in der Reilstraße in Halle sieht unspektakulär aus. Genau so wie die fünf Untersuchungsräume des Gentechnischen Überwachungslabors, die sich im hellbeleuchteten Keller befinden. Hier, hinter der verschlossenen Tür des „Sicherheitsbereiches 2“, wacht die „Gentechnik-Polizei“ Sachsen-Anhalts. In fünf hochmodern Laboren für die Spezialgebiete Mikrobilologie, Bakteriologie oder Saatgut- und Pflanzenanalytik gehen derzeit drei Mitarbeiterinnen harmlos wirkenden Proben auf den Grund. Genutzt wird dabei die Polymerase-Kettenreaktion – eine Methode, um die Erbsubstanz DNS zu vervielfältigen.

Im März kommt noch eine Expertin für die biologische Sicherheit dazu, ist Projektleiterin Anke Belter, die das Neuland vor genau 20 Jahre zunächst allein betreten hat, froh über Verstärkung. Die Personalaufstockung ist nötig, weil sich die Gentechnik als noch relativ junger Teilbereich der Biotechnologie so rasant entwickelt. Die experimentellen Überwachungen, mit der das Landesverwaltungsamt als zuständige Genehmigungs- und Aufssichtsbehörde das Labor beauftragt, nehmen stetig zu. „Es wird viel geforscht. Vor allem in der Medizin, da boomt die Gentechnik.“ Auch die Zahl der gentechnischen Anlagen steigt. 2018 gab es in Sachsen-Anhalt 220. Etwa 35 Prozent davon sind Anlagen der Sicherheitsstufe 2. Dazu gehören auch die medizinischen Forschungsinstitute der Unis in Halle und Magdeburg. „Stufe 2 bedeutet, hier wird mit patogenen Organismen gearbeitet – heißt, es herrschen Krankheiten vor, die aber beherrschbar, sprich sind heilbar.“

325 Proben wurden untersucht

2018 wurden im Gentechnischen Überwachungslabor 325 Proben untersucht. „Das hört sich erst einmal wenig an“, gibt die Projektleiterin zu. „Aber man muss wissen, dass teilweise 10 bis 15 Einzelanalysen notwendig sind. Da arbeitet man dann schon ein , zwei Wochen an einer Probe.“ Besonders oft werden gentechnisch veränderte Pflanzen, vor allem Raps, untersucht, gefolgt von Zelllinien, Kolibakterien und Saatgut. Stichproben werden aber auch in besagten gentechnischen Anlagen oder auf Freisetzungsflächen genommen, auf denen noch gentechnisch veränderte Organismen (GVO) wachsen.

Dass zehn Prozent der im letzten Jahr untersuchten Proben auffällig waren, also GVO aufwiesen, zeige, wie wichtig die Überwachung ist. Gleichzeitig ist der Fakt Wasser auf die Mühlen den Gentechnik-Gegner: „Generell machen wir die Erfahrung, dass viele beim Thema Gentechnik erst einmal eine Abwehrhaltung einnehmen“, bedauert die Labor-Chefin den argwöhnischen Blick – auch auf die Arbeit ihres Labors. Das liege vielleicht auch daran, dass es eine komplexe Technologie ist, die sich dem Ottonormalverbraucher nicht mit drei Sätzen erkläre, glaubt Anke Belter. Sie sieht jedenfalls einen großen Aufklärungsbedarf und hofft: „Vielleicht verliert die Gentechnik ja auch durch unsere Arbeit ihren Schatten als Schreckgespenst und kann in Zukunft als eine zwar risikobehaftete, aber dennoch beherrschbare Technologie zum Vorteil der Menschen wahrgenommen werden.“