Tiefkühlpizza-Markt in Deutschland

Rund 800 Millionen Tiefkühlpizzen verspeisen die Deutschen jedes Jahr. Die größten Hersteller Oetker, Wagner und Freiberger teilen rund drei Viertel des Markts unter sich auf. Wagner stellte im vergangenen Jahr gut 350 Millionen Pizzen her. Etwas mehr soll Oetker produzieren, sagen Branchenkenner. Freiberger schließt mit dem Erwerb von Hasa in die Spitze der deutschen Produzenten auf. In Burg sind zuletzt gut 80 Millionen Teiglinge im Jahr produziert worden. (ba)

Magdeburg/Burg l Im Jahr 2016 haben die 190 Hasa-Mitarbeiter in Burg rund 80 Millionen Pizzen hergestellt. Vor allem in Filialen der Discounter liegen die Produkte aus Sachsen-Anhalt in der Tiefkühltruhe. Dem Unternehmen gelingt es seit Jahren, die Produktionsmenge zu steigern. Über Umsatzzahlen schweigt sich die Geschäftsführung hingegen aus. Doch der Wettbewerbsdruck hat in den vergangenen Jahren zugenommen.

Über Jahre war der deutsche Markt für tiefgekühlte Pizzen klar abgesteckt: Die Branchengrößen Oetker und Wagner boten ihre Markenprodukte ausschließlich im klassischen Lebensmittel- einzelhandel an. Im Discounter wurden hingegen vor allem Eigenmarken der Handelsunternehmen vermarktet. Doch seit einiger Zeit versuchen Oetker und Wagner den Discount-Produzenten die Absätze streitig zu machen, bieten ihre Markenprodukte auch in Filialen von Aldi, Lidl und Co. an. Vor allem Freiberger setzte das unter Druck: Der bisherige Discount-Krösus büßte Marktanteile ein. Auch Hasa spürte erste Anzeichen.

Geschäftsführer Andreas Czayka geht davon aus, mit dem Verkauf an Freiberger die richtigen Weichen gestellt zu haben: „Es ist uns gelungen, das Unternehmen aus einer Position der Stärke heraus in einem größeren Verbund unterzubringen,“ sagte Czayka der Volksstimme. Freiberger-Geschäftsführerin Lydia Fehringer betonte, Hasa sei die richtige Ergänzung, damit sich die Freiberger-Gruppe in einem sich verschärfenden Wettbewerb weiter erfolgreich behaupten könne. Durch den Erwerb des Unternehmens in Burg werde Freiberger den Abstand zu den Markenherstellern im Inland verringern – und in Europa wieder die Spitzenposition besetzen.

Hasa-Geschäftsführer Czayka sagte, Freiberger hätte zugesichert alle Arbeitskräfte in Burg zu übernehmen. Freiberger schloss in einer Mitteilung auch eine Erweiterung des Standorts nicht aus. Die Lage in einem Gewerbegebiet außerhalb der Stadt eigne sich gut dafür, so Freiberger. Das Berliner Unternehmen, das zum Südzucker-Konzern gehört, ist bekannt für bedachte Unternehmens-Entwicklungen: Erst vor sieben Jahren erwarb Freiberger das Tiefkühlpizzawerk in Osterweddingen von der US-amerikanischen Schwan Food Company. Weil das Unternehmen einen völlig aufgeblähten Verwaltungsapparat hatte, mussten zunächst 100 der 300 Beschäftigten gehen. Heute arbeiten wieder mehr als 250 Mitarbeiter am Standort. Freiberger sei zudem bekannt, Betriebsräte in seinen Werken zuzulassen, sagte Holger Willem, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung – Genuss – Gaststätten in Magdeburg. Das Unternehmen bezahle die Beschäftigten zudem nach Tarif.

Für die bisherigen Hasa-Geschäftsführer Andreas Czayka (61) und Holger Pitsch (64) geht nach dem Verkauf auch persönlich eine Ära zu Ende. Die Geschäftsmänner hatten das Unternehmen vor mehr als zehn Jahren aufgebaut, erfüllten sich einen Traum. „Unsere Pizza sollte schmecken wie beim Italiener. Wir wollten mit Qualität den Markteintritt schaffen, haben immer an uns geglaubt“, sagte Czayka einmal der Volksstimme. Nun soll Freiberger die Hasa-Erfolgsgeschichte in Burg weiterschreiben: Czayka und Pitsch werden die Firma nach dem Verkauf verlassen.