Wernigerode l Koffer und Taschen aus dem Auto gewuchtet, ein paar Meter gehen. Und schon ist das Ziel erreicht: die Ferienwohnung. Diesen Komfort können viele Vermieter ihren Gästen in Wernigerodes Altstadt künftig nicht mehr bieten. Ferienapartments erhalten ab 2019 keine Sonderparkgenehmigungen für diesen Bereich mehr. Darüber hat die Stadtverwaltung schriftlich informiert.

Wie zu erwarten war, hat die Post aus dem Rathaus für mächtig Stunk gesorgt. In der Sitzung des Ordnungsausschusses ließen die Vermieter ihrem Unverständnis Luft. „Wir haben unsere Gäste auf die Neuerung hingewiesen“, hieß es von einem Wernige­röder. Die Reaktionen der Gäste seien „verhalten“ gewesen. Vor allem gehbehinderte Urlauber hätten Schwierigkeiten, einen längeren Fußweg auf sich zu nehmen. Ein anderer echauffierte sich: „Wir sollen an den Rand der Stadt fahren und mit unseren Feriengästen die Koffer tragen?“ Er als Vermieter würde viel Geld investieren, um Urlauber nach Wernigerode zu holen, von denen ja auch die Stadt profitiere.

Für die Verweigerung der Sonderparkgenehmigungen gibt es laut Verwaltung einen Grund: Die Anwohner finden nicht mehr genügend Parkraum. „Bewohner, Touristen, Pendler und Gewerbetreibende – jeder will günstig und in der Nähe parken“, erläutert Andreas Gutjahr vom Ordnungsamt. Doch der Parkraum in Wernigerode sei begrenzt. Insgesamt stehen in der Innenstadt 750 Stellflächen zur Verfügung – darunter reines Bewohnerparken, mit Parkuhr und Parkschein, mit Parkschein und Mischformen. Für Bewohner ausgewiesene Parkflächen gibt es 450. „Die Anzahl der ausgestellten Bewohnerparkausweise liegt in den letzten Jahren konstant bei etwa 790.“ Gestiegen ist dagegen die Anzahl der Parkgenehmigungen für Ferienquartiere.

Bilder

Beschwerden von Anwohnern häufen sich

Beschwerden von Anwohnern gebe es schon länger, in letzter Zeit aber hätten sie sich gehäuft, so Gutjahr. „Wir mussten eine Lösung finden, die Anwohner haben einen Recht auf Parkraum in der Nähe.“

Vermieter von Ferienwohnen könnten nun zu den gleichen Konditionen eine Sonderparkgenehmigung für den Anger, den Katzenteichparkplatz und die Feldstraße beantragen. „Für die Feriengäste ist das etwas umständlicher als vorher, aber zumutbar“, so der Ordnungsamts-Mitarbeiter. „In anderen Städten funktioniert es auch.“

Weitere Parkgenehmigungen im Visier

Die Parksituation sei in der Tat „dramatisch“, meldete sich Matthias Winkelmann, CDU-Stadtrat und selbst Vermieter von Ferienunterkünften, zu Wort. Es gehe aber um die Gleichbehandlung. Denn Gewerbetreibende könnten nach wie vor eine Sonderparkgenehmigung für die Innenstadt beantragen. „Es kann nicht sein, dass der eine eine Auflage bekommt und der andere nicht. Das ist alles gewerblich“, so Winkelmann.

„Das ist der nächste Bereich, den wir anpacken“, kündigte Ordnungsamtschefin Anja Münzberg an. Aufgrund der vielen Beschwerden habe sich „die Verwaltungsspitze“ entschieden, zuerst die Parkflächen für Ferienwohnungen anzufassen. „Wir sind aber dabei, alle Sonderparkgenehmigungen anzugucken.“