Berlin (dpa) - Campen ist für Millionen Menschen in Deutschland ein beliebter Freizeitspaß. Was so los ist auf einem Zeltplatz und wie es einem abgehalfterten Showstar dort ergeht, das zeigt die Komödie "Camping mit Herz". Sie läuft am Freitag (20.15 Uhr) im Ersten.

Erstmal muss Kalle kotzen, kurz vor dem Auftritt. Schließlich steht lediglich eine Handvoll Zuschauer vor der Kaufhausbühne, über der ein Banner mit der Aufschrift "Camping Kalle im wilden Osten" prangt. Der Schlagersänger Karl-Heinz "Kalle" Sollheim (Christoph M. Ohrt trägt Vollbart und singt selbst) trällert dennoch lustlos seinen einzigen Hit "Unter der Sonne", wo er doch viel lieber Countrymusik auf Englisch singen würde - bei der die Fans aber schreiend davonlaufen. Mit dem Campen hat es der ziemlich überhebliche Typ mit Hörgerät auch nicht so, das Schlafen im Freien verabscheut er.

Das muss er aber bald - dank einer PR-Idee seiner Managerin Tess (Isabell Gerschke). Hat sie doch im Radio einen Abend mit ihm auf einem Campingplatz verlost. So landet er auf dem heruntergekommenen Küsten-Zeltplatz "meeresglück" (klein geschrieben) von Desiree (Diana Amft) und ihrer Mutter Martha (Nina Franoszek). Die Damen stehen kurz vor der Pleite und hoffen auf mehr Buchungen, wenn Kalle kommt. Doch sie haben getrickst: Eigentlich war der Auftritt des B-Prominenten auf der benachbarten Luxusanlage namens "Meeresglück" (groß geschrieben) von Desirees Ex-Mann Werner (Peter Schneider) geplant, und länger bleiben muss er nun aufgrund einer TV-Wette auch noch.

Diana Amft (43, "Der Bulle und das Landei") hat gerade - mit Margarita Broich - die dritte Folge ihrer Mutter-Tochter-Reihe mit dem Titel "Meine Mutter traut sich was" für das Erste abgedreht. Bei den Dreharbeiten zum Camping-Film im Herbst auf dem Darß an der Ostseeküste scheint es recht frisch gewesen zu sein. Der Nachrichtenagentur dpa sagt Amft dazu: "Ups, jetzt muss ich wohl verraten, das wir nach Drehschluss tatsächlich in einem Hotel übernachtet haben. Die sogenannten Dauercamper haben es sich auf dem Platz wirklich gemütlich gemacht, mit kleinem Zäunchen und so. Da kann ich mir schon vorstellen, dass es warm eingekuschelt ein schönes Gefühl sein muss, mit warmem Tee in der Hand die frische Seeluft zu genießen."

Drehbuchautor und Regisseur Josh Broecker (56, "Marie Brand") ist eine ganz ordentliche Komödie gelungen, die von vielen lebendigen, oft witzigen Dialogen und der Spielfreude der gut aufgelegten Schauspieler lebt. Die wendungs- und temporeiche Handlung ist - gerade zum Anfang - konstruiert, die Figurenzeichnung nicht durchweg überzeugend, und das Wort "authentisch" wird arg strapaziert. Das (Liebes-)Geplänkel zwischen Desiree und Kalle und einige Rückblenden in Kalles Kindheit wirken fehl am Platze. Ein Hauch von Romantik mag sich dennoch einstellen, denn die Musik ist gut, die Landschaft sehr schön eingefangen - für einen lauen Sommerabend reicht’s allemal.

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