Berlin (dpa) - Selbst im Paradies ist nicht alles perfekt. Auch wenn die Bilder von Blüten bestäubenden Bienen in Lola Randls Film "Der große Garten" etwas anderes suggerieren.

Arte zeigt die augenzwinkernde Dokumentation über Großstädter, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und sich selbst aufs Land ziehen, am Mittwoch um 23.15 Uhr. Der Film lief im vergangenen Jahr in den Kinos unter dem Namen "Von Bienen und Blumen".

Die Doku begleitet Randl und ihre Familie dabei, wie sie in die Uckermark ziehen und dort eine alte Gärtnerei übernehmen. Dabei geht einiges schief. Denn die Natur ist ebenso schwer zu optimieren wie der urbane Mensch. Da sterben Bienenvölker und Ziegen killen die Obstbäume.

Dazu liest eine Stimme aus dem Off aus einer fiktiven Doktorarbeit über das Projekt. Dadurch entsteht häufig Ironie, denn die idealisierten Theorien, möglichst hochgestochen und kompliziert ausgedrückt, stehen oft im krassen Gegensatz zum Gezeigten. So führen etwa gemeinsame Aktivitäten nicht, wie vorgelesen, dazu, soziale und emotionale Bindungen aufzubauen, sondern zu entnervten Diskussionen zwischen den Helfern aus Stadt und Dorf.

Die Regisseurin nimmt viele Klischees der Großstädter mit Hang zum Kauf im Bioladen aufs Korn. Da gibt es Kinder, denen immer der Bauch weh tut, wenn sie Weizen essen. Womöglich haben ihre Eltern noch nicht davon gehört, dass Gluten für Menschen, die nicht an einer Unverträglichkeit leiden, völlig unproblematisch ist. Und eine Imkerin empfiehlt, ein altes Haus zu einem Coworking-Space umzuwandeln, als würde jedes Dorf in Brandenburg nur darauf warten.

So verwuchert wie der große Garten ist auch das Liebesgeflecht der Protagonistin. Erst nach vielen Andeutungen wird ihre polyamouröse Beziehung, die sich in die Reihe der Klischees der Großstädter gut einfügt, entwirrt. Die Regisseurin will auch dieses Thema mit Humor einfangen und schneidet Szenen dazwischen, in denen eine Frau aus dem Dorf über eine Telenovela und ihre nicht ganz unähnlichen Handlungen spricht. Die von Randl und ihrem Mann gefilmte Dokumentation will die Ironie aber manchmal zu sehr auf Krampf, etwa wenn die Helfer gefragt werden, ob sie Mann oder Freund lieber mögen.

Über eine heiter-seichte Beobachtung der Landlust des urbanen Menschen und seiner Neurosen geht "Der große Garten" dann aber nicht hinaus. Der auf dem gleichnamigen Buch von Randl basierende Film erschöpft sich schnell im Kreisen um die immer selben Themen und Witze. Wirklich ergründen will er das Phänomen der Sehnsucht nach Selbstversorgung und -verwirklichung der gebildeten Städter nicht.

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Der große Garten