Berlin (dpa) - Der deutsche Dichter Jean Paul war vergleichsweise optimistisch. "Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können", hat er geschrieben. Aber stimmt das?

Jedenfalls gar nicht paradiesisch ist das, was einer jungen Frau passiert - in der neuen achtteiligen Serie "The Rook", die ab dem 30. Juni bei der Streamingplattform Starzplay abrufbar ist. Sie kann sich ganz plötzlich an rein gar nichts mehr erinnern.

Es regnet in London, und in einem Park mitten auf der Millennium Bridge liegt eine blonde Frau - es ist Myfanwy Thomas (Emma Greenwell). Sie wacht ohne jede Erinnerung auf. Um sie herum liegen etliche Tote, die allesamt Latexhandschuhe tragen.

Ganz allmählich findet sie heraus, dass sie ein hochrangiges Mitglied im "Checquy" ist, Englands letztem Geheimdienst für Menschen mit paranormalen Fähigkeiten. Wie Myfanwy von ihrer Chefin Lady Ferrier (Joely Richardson) und deren Assistenten Conrad Grantchester (Adrian Lester) erfährt, ist sie ein "EVA", sie hat "Extreme Variant Abilities".

Diese besonderen Varianten an Fähigkeiten können die Grenzen der menschlichen Biologie sprengen, und mit ihnen wird illegal gehandelt, weil sie ebenso selten wie wertvoll sind. Daher werden sie gestohlen und verkauft - irgendwie scheinen alle hinter ihnen her zu sein. Auch die US-Agentin Monica Reed (Olivia Munn) hat ihre eigenen Interessen, sie will den Tod ihres früheren Liebhabers aufklären. Myfanwy wird von allen Seiten bedroht.

Emma Greenwell (30, "Shameless", "The Path") spielt die Rolle der gedächtnislosen Myfanwy grandios, sie trägt diese spannende Serie mühelos allein. Ihre Figur kann niemandem trauen, auch sich selbst nicht. "Mein Gedächtnis ist ein schwarzes Loch. Was bin ich für ein Monster?", sagt Myfanwy zu sich selbst. Sie wird obendrein von paranormalen Wesen angegriffen und hat mit ihren eigenen übersinnlichen Fähigkeiten zu kämpfen. Und sie muss die Personen finden, die ihr die Erinnerungen genommen haben.

Aber auch Olivia Munn (38, "The Newsroom") und Joely Richardson (54, "Nip/Tuck - Schönheit hat ihren Preis") spielen hervorragend. Die Spionageserie "The Rook" (was mit "Der Turm" beim Schachspiel übersetzt werden kann) basiert auf dem gleichnamigen Roman von Daniel O'Malley aus dem Jahr 2012.

Den Drehbuchautoren Sam Holcroft und Al Muriel sowie dem Regisseur Kari Skogland ist eine furiose Serie gelungen, die von genau gezeichneten Figuren lebt und die viel Tempo sowie einige fantastisch ins Bild gesetzte (Traum-)Szenen zu bieten hat. Es geht um verborgene Erinnerungen, Kräfte und Energien und darum, die Wahrheit zu erkennen - auch den Verrat. Und darum, sich die verlorenen Erinnerungen zurückzuholen.

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