Rückenwind für das neue Jahr Ungewisser Neustart: Fünf Menschen aus Biederitz, die Mut für das Jahr 2026 machen
Im zurückliegenden Jahr hatte die Gemeinde Biederitz mit etlichen Herausforderungen zu kämpfen. Doch darüber hinaus gab es auch Geschichten, die Mut machen.

Biederitz. - Im Strudel der täglichen Nachrichten gehen die mutmachenden Geschichten häufig unter. Doch auch die gab es im vergangenen Jahr in der Gemeinde Biederitz. Über fünf Persönlichkeiten, die allen Grund geben, zuversichtlich in das Jahr 2026 zu starten.
Mit Anfang 40 die eigene Komfortzone zu verlassen, den sicheren Arbeitsplatz auf hoher See gegen die Bio-Landwirtschaft in Gerwisch einzutauschen, dazu braucht es Mut.
Für den gelernten Zimmerer und Ingenieur Sebastian Zeitz war das angesichts seines eindrücklichen Lebenslaufs jedoch nur folgerichtig. „Eigentlich habe ich alle zehn Jahre etwas Neues gemacht“, erzählte der Weltenbummler im Sommer der Volksstimme.
Mehr zum Thema: Bio-Landwirt aus Gerwisch: „Wir segeln hart am Wind"

Mehr Begeisterung für regionale Bio-Qualität in Gerwisch
Zu diesem Zeitpunkt versorgte er bereits über 80 Solawi-Mitglieder wöchentlich mit Salat, Kohl, Tomaten, Brokkoli und einigem mehr in Bio-Spitzenqualität. Herangezogen, gehegt, gepflegt und geerntet auf den Feldern in Gerwisch.
„Wir segeln hart am Wind, aber es macht halt Bock“, so Zeitz damals gegenüber der Volksstimme. Sein Ziel für dieses Jahr: die Mitgliederzahl auf bis zu 120 anwachsen zu lassen. Darüber hinaus „mehr Leute für die Arbeit auf dem Feld zu begeistern“ und ein Bewusstsein für regionale Qualität zu schaffen.
Nach Mercedes, Daimler, Bentley zurück in die Biederitzer Natur
Ebenso einen Neustart mit Anfang 40 wagte Stephanie Poppeck. Die Wirtschaftsingenieurin aus Biederitz, in ihrer Karriere bereits für Mercedes, Daimler und Bentley durch die Welt getourt, suchte in der „Halbzeit“ ihres Lebens eine Antwort auf die Frage: „Soll es das schon gewesen sein?“
Fündig wurde sie im Schoße der Natur. „Es war ein Kräuterrundgang. Ich bin gar nicht so weit gelaufen und habe bereits unzählige Pflanzen entdeckt“, so Poppeck, „das war für mich der Aha-Moment“, sprach sie damals mit der Volksstimme über ihre Eingebung.
Der Artikel zum Thema:Mutiger Neustart: Wie eine Frau aus Biederitz ihr Glück in der Natur sucht

Seitdem hat sie das Büro gegen Waldrundgänge eingetauscht, die sie seit dem Wechsel selbst anbietet, um ihren Teilnehmern die Natur nahezubringen und sie vom stressigem Arbeitsalltag abschalten zu lassen. Hinzukommen Kräuterführungen, Naturtage an Schulen und Coachings.
Post-Misere in der Gemeinde Biederitz
Mit dem herzzerreißenden Ende für die Lotto-Filiale von Poolpapst Matthias Pütsch, begann in der Gemeinde Biederitz eine beispiellose Post-Odyssee. Den Anfang nahm die Misere in der Biederitzer Bahnhofsstraße.

Buchhändler Peter Theiß, der sich zur Weiterführung des Postgeschäfts bereit erklärt hatte, wurde erst mit einem Parkverbot vor Ladentür belohnt und musste schließlich nach nur einem Monat die Segel streichen. Die Paketflut überforderte das kleine Buchgeschäft. Doch damit nicht genug. Das kurze Intermezzo endete für ihn im Krankenhaus.
Mehr zum Thema:Buchhändler in Lebensgefahr: „Arzt schickte mich in die Notaufnahme“

In der Folge mussten Postkunden, Empfänger und Versender in die umliegenden Gemeinden oder gar in die Landeshauptstadt Magdeburg pendeln.
Licht am Ende des Tunnels erschien erst, als sich die Gemeinde intensiv mit der Post auseinandersetzte und der Bürgermeister das Problem zur „Chefsache“ erklärte. Gelöst war das Thema damit jedoch noch nicht.
Erst als sich Neuropsychologin Miriam Hoppe ein Herz fasste und den Weg in die Selbstständigkeit wagte, eine Post-Filiale in der Karl-Marx-Straße eröffnete, kühlte sich die angespannte Lage im Sommer merklich ab. Kürzlich beging sie mit dem herausfordernden Weihnachtsgeschäft bereits ihr halbjähriges Jubiläum.
Mehr zum Thema: Härteste Zeit des Jahres: Paketflut fordert neue Post-Frau in Biederitz

Gewerbe-Boom in Biederitz
Abseits der neuen Post-Filiale wagten aber noch andere den Sprung in die Selbstständigkeit. Eine von ihnen war Isabella Hohensee. Sie konnte sich im zurückliegenden Jahr einen Kindheitstraum erfüllen und eröffnete in Biederitz ein eigenes Tattoo-Atelier.

Während sie erst im Herbst des letzten Jahres startete, hat die 29-Jährige bereits neue Pläne. Wie sie auf ihrem Instagram-Account mitteilt, wird sie ab dem 14. Februar in der Karl-Marx-Straße 26 zu finden sein. Damit arbeitet sie dann in direkter Nachbarschaft zur Post-Frau als auch der neuen Podologin in Biederitz Nicole Jörger.
Mehr zum Thema: Kein Lotto-Laden: Nachfolgerin tritt Erbe von „Pool-Papst“ Pütsch in Biederitz an
Die startete im Jahr 2025 zwar nicht neu in die Selbstständigkeit, wagte aber den Wechsel von der Landeshauptstadt Magdeburg in das beschauliche Biederitz. Konkret: in die ehemaligen Räumlichkeiten des Poolpapstes-Matthias Pütsch.

Auf den Standort aufmerksam geworden war sie, wie sie der Volksstimme erzählte, durch Friseurin Corinna Heine, die nur eine Tür weiter einen Salon betreibt. Heine ist in der Gemeinde jedoch nicht nur für ihr Friseur-Handwerk, sondern auch für den neu gegründeten Friedhofsverein bekannt.

Gemeinsam mit ihren engagierten Mitstreitern pflegt und gestaltet sie seit Anfang des letzten Jahres die Biederitzer Ruhestätte. Das Ergebnis der etlichen und vor allem ehrenamtlichen Einsätze kann sich sehen lassen. Der Verein hat dem Friedhof eindrücklich zu neuem Glanz verholfen.