Ilsenburg/Drübeck l Michel Vouilléme unterbricht für einen Moment seine Arbeit. Er stützt sich auf seine Schaufel und sagt augenzwinkernd: „Wir haben uns buchstäblich den Feierabend frei geschaufelt.“ Während andere Anfang April nach Dienstschluss die ersten wärmenden Sonnenstrahlen genießen, startet der 32-Jährige zusammen mit Kollegen der Stadtelternvertretung einen Frühjahrsputz. Dafür muss der Spielplatz, wo er eigentlich mit den beiden Töchtern toben wollte, noch etwas warten. Stattdessen nutzt der Ilsenburger mit drei weiteren Familienvätern den frei geschaufelten Nachmittag, um sich um ein Anliegen zu kümmern, das der Stadtelternvertretung schon längere Zeit Sorgen macht.

„Der Zustand des Geh- und Radwegs zwischen Ilsenburg und Drübeck ist nicht akzeptabel, da sich gerade im Bereich des Waldes am Ortseingang erhebliche Verschmutzungen befinden“, beklagt Stefan Droste. Laub, Äste und immer mehr abrutschende Erde von der Böschung des kleinen Waldstücks, das den Rad und Gehweg säumt, liegen kreuz und quer auf dem Asphalt. „Da wurde einst viel Geld für den Bau des Wegs ausgegeben und heute fühlt sich keiner mehr für dessen Pflege zuständig“, so der 37-Jährige.

Er brachte den Stein für die kürzlich in Eigenregie gestartete Reinigungsaktion der Stadtelternvertretung ins Rollen. Allerdings sei ihm bereits Ende 2017 der verschmutzte Zustand des Rad- und Gehwegs zwischen den beiden Orten aufgefallen. Im Sommer fahre er selbst dort gern Fahrrad, berichtet der Drübecker. Auch seine neunjährige Tochter sei hier regelmäßig unterwegs, da sie im benachbarten Ilsenburg zur Schule geht.

In Stoßzeiten viel Trubel auf schmalem Weg

„Das ist für viele Leute der Arbeits- oder Schulweg“, ergänzt Stadtelternvertreter Mario Beyer. Selbst als Busfahrer auf der Landesstraße L 85 unterwegs, wisse er aus eigener Erfahrung, wie turbulent es gerade zu Stoßzeiten am Ortseingang der Ilsestadt zugehe und wie viel Gefahrenpotenzial bestehe, wenn die Wege nicht in Ordnung gehalten werden und verschmutzt sind.

„Neben den regulären Linienbussen halten an den drei Haltestellen direkt hinter dem Ortseingang noch die Schulbusse, die die Schüler in die nahe gelegene Sekundarschule bringen“, erläutert er. „Morgens sind schnell mal 100 Kinder auf dem Weg zur Sekundarschule unterwegs und dazwischen die Pendler mit Autos und Fahrrädern.“ Hinzu komme, dass es in dem Bereich kaum Beleuchtung gebe, was gerade in der dunklen Jahreszeit gefährlich sein könne.

Die Stadtelternvertreter beklagen insbesondere, dass der kombinierte Geh- und Radweg nicht mehr in vollem Umfang nutzbar sei, da er wegen der Verschmutzungen immer schmaler werde. Mario Beyer hat, als er im vergangenen Sommer mit seiner Tochter die Strecke entlang radelte, selbst die Erfahrung gemacht, dass immer nur Platz für einen Radfahrer ist.

Natur holt sich den Weg zurück

„Die Natur hat sich über die Jahre Teile des Weges bereits zurückgeholt und somit den verfügbaren Platz für Fußgänger und Radfahrer deutlich eingeengt“, beschreibt der Vorsitzende der Elternvertretung, Cay-Uwe Jürgens, die derzeitige Situation. Daher überrascht die Forderung von Initiator Stefan Droste nicht: „Es findet schon seit Jahren keine Pflege des Weges statt. Vor allem nach dem Herbst wäre es absolut wünschenswert, wenn der massive Laubanfall und die Zweige entfernt werden würden.“

Bereits 2017 habe er Kontakt zur Stadt Ilsenburg aufgenommen, um eine langfristige Lösung für das Problem zu finden, so Droste. Die Stadt habe ihn an den Landkreis verwiesen: „Da sich dieser Abschnitt außerhalb des Ortsbereichs befindet, ist die Stadt Ilsenburg nach eigenen Angaben nicht zuständig.“ Aber: Weil die Stadt Teile des Weges in Ilsenburg und Drübeck reinigt, stellen sich die Männer die Frage, warum nicht das kurze Stück zwischen Stadt und Dorf mit gekehrt wird.

Landesstraßenbaubehörde ist zuständig

Cay-Uwe Jürgens macht sein Unverständnis deutlich: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum hier unnötig Gefahrenstellen entstehen müssen, wenn es doch so einfach ist, zweimal im Jahr mit einer Kehrmaschine lang zu fahren.“ Zumal diese auf dem Weg von Ilsenburg nach Drübeck das Wegstück sowieso passiere.

Die Stadt Ilsenburg, so Bauamtsleiterin Ute Schwager-Löwe, sei nur im innerörtlichen Bereich für die Reinigung von Geh- und Radwegen zuständig. Der Abschnitt, in dem jetzt die Eltern in Eigeninitiative tätig geworden seien, befinde sich bereits außerorts. Dort sei die Landesstraßenbaubehörde (LSBB) mit ihrer Straßenmeisterei verantwortlich. Dennoch, so Ilsenburgs Bürgermeister Denis Loeffke (CDU), habe die Kommune die Entsorgung von Laub und Schmutz übernommen.

Stefan Hörold, Chef der LSBB-Regionalniederlassung in Halberstadt, will das Engagement der Eltern jetzt zum Anlass nehmen, um Art und Umfang der Wegreinigung in Regie der Straßenmeisterei Wernigerode zu prüfen. Gereinigt werde üblicherweise nach Bedarf.