Magdeburg l Marcus Mähnert will nicht irgendwann vor den Trümmern einer Mannschaft stehen. Marcus Mähnert will lieber eine familiäre Vereinskultur pflegen, fördern, weiterentwickeln. Auf dem Platz. Neben dem Platz. Er sagt: „Unsere Signatur ist die Vereinsidentität.“ Die Signatur des MSV Börde, Fußball-Landesligist.

Mähnert ist dort der Trainer, und als dieser geht er in seine vierte Saison. Er kennt so ziemlich alle seine Schützlinge aus vergangenen Tagen. „95 Prozent unserer Spieler sind irgendwann beim MSV ausgebildet worden“, betont er. Auch die beiden Neuzugänge: Max Oldenburg, Torwart, ist von den A-Junioren des 1. FC Magdeburg gekommen. Philipp Nakoinz, Stürmer, wechselte vom Bördeoberligisten Osterweddinger SV zurück ins GutsMuths-Stadion. Und die A-Junioren Eric Neumann, Oskar Yannick Schulze und Rocco Müller, die Mähnert derzeit ins Training seiner Mannschaft integriert, kennt er sowieso. Den 18-jährigen Benny Beyer hat er bereits in den Kader der Ersten hochgezogen.

Freiräume für die jungen Spieler

Wirft man indes den Blick nach Ummendorf, wird einem ein wenig mulmig in Anbetracht der Offensive des Vereins auf dem Transfermarkt. Gestern hat der SV sogar einen Christopher Handke verpflichtet, er kommt vom FSV Zwickau (3. Liga), er spielte bis zum vergangenen Jahr beim 1. FC Magdeburg – sogar 2. Bundesliga. Er ist 31 Jahre alt und Abwehrhüne. Wer derart aufrüstet, ist gesegnet mit einer großen finanziellen Unterstützung. Und nicht selten zugleich verflucht, wenn alle Investitionen letztlich im tristen Mittelfeld der Abschlusstabelle versanden und sich die Geldgeber wieder zurückziehen.

Mähnert wird solch Ummendorfer Anekdoten zur Kenntnis genommen haben. Ihm schwebt in Anbetracht der Familienphilosophie etwas anderes vor. „Die jungen Spieler aus unserem Nachwuchs sollen sich bei uns entwickeln, sie sollen atmen dürfen und ihren Freiraum haben“, sagt er nämlich. Ihnen sollen keine Akteure vorgesetzt werden, die letztlich einen Wechselgedanken erzwingen. „Wir wollen unsere jungen Spieler halten“, betont der Trainer. Denn diese sind die Börde-Zukunft.

Knackige vier Wochen

Die nächste Zukunft ist die dritte Landesliga-Saison in Serie. Und sie hat in dieser Woche mit dem intensiven Training begonnen. „Wir haben bereits seit fünf, sechs Wochen unter den Hygieneauflagen Einheiten bestritten“, berichtet Mähnert – in Kleingruppen und mit Übungen wie Fußball-Tennis. Nun geht aber es verstärkt an die Athletik, an das taktische Verständnis. „Knackige vier Wochen“ hat der Coach geplant. Mit knackigen Testspielen. Am kommenden Sonnabend empfängt Börde den Verbandsligisten Eintracht Elster (14 Uhr).

Mähnert hätte womöglich ein Vorbereitungsspiel mehr geplant, wenn der Landesverband nicht den überraschend frühen Zeitpunkt des Saisonauftaktes am 15. August ausgegeben hätte. „Wie einige andere Vereine sind wir auch vom Saisonstart im September ausgegangen“, berichtet er. Als der Termin nun feststand, hatte er mit dem Team überlegt, die Sommerpause früher abzubrechen. Aber Mähnert hofft, dass nach der langen und coronabedingten Zwangsabstinenz der Fokus seiner Akteure besonders geschärft ist für das Wesentliche: Spaß am Fußball. Und natürlich Erfolg.

Um Platz eins bis drei mitspielen

Torsten Marks, Trainer des Liga-Rivalen MSC Preussen, erwartet zumindest einen Dreikampf um den Verbandsliga-Aufstieg mit dem MSV Börde und dem Ummendorfer SV. Und Mähnert hätte nichts dagegen: „Wer eine Saison auf dem dritten Platz abgeschlossen hat, will die nächste nicht schlechter abschließen“, blickt er zurück auf die abgebrochene Serie und voraus auf die neue, die für Börde beim MSC Preussen beginnt. „Wir wollen schon um die Plätze eins bis drei mitspielen.“

Mähnert vertraut dabei ganz der Qualität seines Kaders, der mit Luca Rudolph (Studium) lediglich einen Spieler verloren hat. Und Mähnert ist darauf bedacht, dass seine Mannschaft „variabel agiert, ob mit einer Dreier- oder einer Viererkette, dass sie in der Dominanz zulegt und noch mehr das Spiel bestimmt“. Er betont zudem: „Wir haben in der vergangenen Saison nie auf das Ergebnis geschaut, und damit sind wir sehr gut gefahren.“ Die Magdeburger sollen den Blick für die eigene spielerische Qualität wahren.

Manchmal führen aber gute Ergebnisse ganz nach oben. Im Falle des MSV wäre das die Verbandsliga. „Die Mannschaft hätte den Aufstieg definitiv verdient“, erklärt Mähnert. Und wenngleich die eigene Signatur das vorrangige Ziel der Stadtfelder vorgibt, ist auch in der neuen Saison davon auszugehen: Wirklich jeder Gegner hat Börde im Nacken.