Freiburg (dpa) - Auch wenn er der Weltmeister-Trainer ist und für immer bleiben wird: Als aktiver Fußballer erreichte Joachim Löw bei weitem nicht dieses Niveau. Eine Bestmarke hält der frühere Mittelstürmer dennoch:

Mit 83 Toren ist der gebürtige Schwarzwälder noch immer der Rekordtorschütze des SC Freiburg, alle Treffer erzielte er, als die Südbadener noch in der 2. Bundesliga kickten. Lange wird er den Rekord wohl nicht mehr behalten. Nils Petersen ist ihm dicht auf den Fersen, wettbewerbsübergreifend hat er bisher 82 Tore für Freiburg erzielt - und das mit deutlich weniger Spielen als Löw. Trifft der 30-Jährige im Spiel der Breisgauer am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) beim Bundesliga-Konkurrenten Borussia Mönchengladbach, hat er Löw also eingeholt.

Er würde lügen, wenn er behaupten würde, dass ihm dieser Rekord egal wäre, sagte Petersen kürzlich auf der Internetseite des Sport-Clubs. Als er 2015 von Werder Bremen nach Freiburg kam, habe er nie gedacht, das erreichen zu können. Aber "klar ist es dann schön, in der Jokerliste einen Claudio Pizarro zu überholen oder jetzt eben Jogi Löws Rekord einstellen zu können. Das nehme ich gerne mit und es macht mich schon ein bisschen stolz." Pizarro löste er Ende Oktober als Rekord-Joker ab, als er sein 22. Tor nach einer Einwechslung erzielte. Pizarro gelang das bisher 21 Mal.

Diese Statistik zeigt allerdings, dass es für Petersen auch Phasen gab, in denen er mehr Einwechsel- als Stammspieler war. Das ist nun anders. Neben seiner guten Technik, Beidfüßigkeit und Kopfballstärke ist er mit seiner enormen Laufstärke wie gemacht für den intensiven Fußball der Freiburger unter Trainer Christian Streich. "Er hat die Fähigkeit, aus allen Situationen Tore zu machen, das hat er dieses Jahr auch schon wieder gemacht", sagte der Coach über seinen Stürmer.

Petersen ist aber auch ein Sportler, der über die Grenzen des Fußballrasens hinausblickt, weshalb Interviews mit ihm häufig etwas spannender sind als mit vielen anderen Profis. So hatte er Ende 2017 die Fußball-Branche als oberflächlich und viele Spieler als nicht so belesen bezeichnet. "Salopp gesprochen, verblöde ich seit zehn Jahren", sagte Petersen dem "Focus". Bei den Freiburger Fans hat er auch wegen solcher Aussagen und wegen seines Charakters einen besonderen Status. "Nicht umsonst ist er so beliebt, weil er so ein netter Kerl ist und so ein empathischer Mensch", sagte Streich. Aber eben auch, weil er Tore schieße und dem Gegner weh tue.

Das könnte nun auch der Europa-League-Teilnehmer Mönchengladbach zu spüren bekommen. Denn nachdem Petersen im Oktober eine kleine Schwächephase hatte, ist er seit seiner frühen Einwechslung und seinem Tor beim 2:1 gegen RB Leipzig wieder in besserer Form.

Falls er am Sonntag oder in den Wochen darauf Löws Rekord übernimmt, hat er ihm noch etwas mehr als die reine Bestmarke voraus: Im Unterschied zu Löw spielte der frühere Bayern-Profi für Freiburg nur ein Jahr in der 2. Liga, aber schon fast vier im Oberhaus. Abheben wird er deshalb wohl nicht. "Ich hatte auch schon einige Durststrecken, aus denen ich gelernt habe, eine gute Balance zu finden zwischen Träumen und Demut", sagte Petersen.

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