München (dpa) - Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat Kritik am Kaderumbau beim FC Bayern München zurückgewiesen.

"Wir hätten uns gegen diese Umbruch-Diskussion mehr wehren müssen. Unser Kader hat einen guten Mix. Einen Umbruch kann man nicht nur mit 18-, 19-, 20-Jährigen auf dem Platz schaffen. Und man darf ihn auch nicht in einem Schritt machen, denn dann lädst du den Jungen zu viel Verantwortung auf", sagte Rummenigge in einem Interview im aktuellen Bayern-Magazin "51". "Unser Mix war der Vorteil, den wir in der Schlussphase der Saison gegenüber Dortmund hatten. Da hat sich die Erfahrung gewisser Spieler wieder mal in Titeln ausgezahlt."

Die Münchner Double-Gewinner verändern ihren Kader erst für diese Saison gravierend. So sind altgediente Profis wie Arjen Robben, Franck Ribéry oder Rafinha gegangen. Gekommen ist bislang unter anderem der französische Fußball-Weltmeister Lucas Hernández (Atlético Madrid) für eine Ablöse von 80 Millionen Euro.

Rummenigge (63) besitzt beim deutschen Fußball-Rekordmeister als Vorstandsboss noch einen Vertrag bis Ende 2021. Er will dann nach knapp 20 Jahren an der Spitze des Gremiums aufhören. Der frühere Bayern-Kapitän Oliver Kahn (50) soll anschließend übernehmen. "Ich möchte mich gerne durchs große Tor verabschieden. Gekommen bin ich durchs kleine, fast reingeschlichen habe ich mich damals, so ehrfürchtig war ich", erzählte Rummenigge. "Ich werde dem FC Bayern immer dankbar sein, dass er mir diesen Posten anvertraut hat. Und irgendwo werde ich auch wieder ehrfürchtig gehen."

Rummenigge erhofft sich vom neuen TV-Vertrag mehr Geld für die Fußball-Bundesliga. "Im laufenden Vertrag haben wir eine jährliche Steigerung. Im vierten und letzten Jahr beträgt die Summe 1,25 Milliarden Euro. Es wäre ein Erfolg, wenn wir beim neuen Paket mit diesen 1,25 Milliarden starten", sagte Rummenigge. "Den großen Schub gibt es erst, wenn Konzerne aus den USA oder Asien einsteigen. Aber ich kann nicht sagen, wann das sein wird. Fußball hat auf jeden Fall seinen Preis, weil er ein exklusives Erlebnis ist. Jeden Hollywoodfilm kann ich auf 25 Sendern sehen. Ein Spiel findet aber unter den bestehenden Voraussetzungen ein einziges Mal statt."

Für die nationalen TV-Rechte von 2017/18 bis 2020/21 kassiert die Deutsche Fußball Liga (DFL) derzeit insgesamt 4,64 Milliarden Euro – das sind rund 1,16 Milliarden Euro pro Saison. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert strebt bei den Verhandlungen um den nächsten TV-Vertrag für die Bundesliga-Rechte ein Wachstum an. Die Bundesliga sei "nach wie vor extrem gefragt", hatte er im März gesagt. 2020 sollen die nationalen Bundesliga-Medienrechte für die vier Spielzeiten ab 2021/22 auf den Markt kommen.

Rummenigge wünscht sich in der Kamera-Präsentation der Spiele mehr Abwechslung, so würde er wie in der englischen Premier League Aufnahmen aus einer näheren Perspektive begrüßen. "Mir fällt das jeden Sonntag auf meiner Fernsehcouch auf: Es wird mehr von unten aus TV-Schächten gefilmt", sagte Rummenigge. Er habe deshalb auch schon mit Seifert gesprochen. "Ich denke, diese Investitionen würden sich rechnen. Unser Haupteinnahme-Faktor ist nun einmal das TV, da sollte man dem Zuschauer zuhause die bestmögliche Präsentation bieten."