Wolfsburg (dpa) - Woche für Woche ein Erfolgserlebnis zu suchen - und dann Woche für Woche daran zu scheitern: Das zehrt an den Nerven.

Nach dem unglücklichen Pokal-Aus in Wolfsburg waren mehrere Spieler des FC Schalke 04 zu sehen, denen die Tränen in den Augen standen, die sich ihr Trikot über das Gesicht zogen oder die nach dem Schlusspfiff einfach zu Boden sanken. Es war die pure Verzweiflung.

Das Ausscheiden im DFB-Pokal-Achtelfinale ist für den Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga noch zu verschmerzen. Er kann sich jetzt ganz auf die Vermeidung des Abstiegs konzentrieren. Aber das Gefühl des ständigen Scheiterns, selbst dann wenn einem der Gegner wie am Mittwochabend mehrere Großchancen gestattet: Das kostet Kraft.

"Ich finde es gut, dass die Spieler Emotionen zeigen", sagte Trainer Christian Gross. Zumindest während der 0:1-Niederlage habe man "eine Schalker Mannschaft gesehen, die an sich glaubt. Das stimmt mich zuversichtlich." Sein Spieler Amin Harit, in Wolfsburg einer der Besten und Verzweifeltsten, schrieb noch am späten Abend bei Twitter: "Wenn die Dinge am Schlimmsten stehen und nichts seinen Weg geht: Vertraue darauf, dass dies dich eines Tages nur noch stärker macht."

Allein: In der Bundesliga geht es für das Schlusslicht nun mit den Spielen gegen RB Leipzig und Borussia Dortmund und dazwischen einer Auswärtspartie bei Union Berlin weiter. Das wird vermutlich noch schwerer, als es dieses Spiel in Wolfsburg schon war, bei dem man eben auch merkte, dass die Schalker in einem anderen Wettbewerb "freier als in der Liga agiert haben", wie der Wolfsburger Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke hinterher bei Sport1 sagte.

Nimmt man nur diese 90 Minuten zum Maßstab, könnte man denken: Sie haben einen Harit, einen Sead Kolasinac, sie kriegen bald noch einen Shkodran Mustafi dazu und spielen sich solche Chancen heraus: Das MUSS doch für Platz 15 reichen. Schaut man aber auf die Bilanz eines Teams, das von den vergangenen 35 Bundesliga-Spielen nur eines gewonnen hat und jetzt in den verbleibenden 15 Spielen einen Rückstand von neun Punkten aufholen muss, dann fragt sich jeder: Wie soll das gehen?

Auch das Spiel in Wolfsburg unterstrich, dass sich jahrelange Verfehlungen in der Personalpolitik nicht in einer Transferfrist korrigieren lassen. Dass sich auch eine Mannschaft, die kurzfristig vier namhafte Zu- und fünf verschmerzbare Abgänge zu verzeichnen hatte, erst einmal finden muss.

Weltmeister Mustafi? Sitzt nach seinem Wechsel aus London noch in Quarantäne. "Ich hoffe, dass er vom Gesundheitsamt noch bis zum Leipzig-Spiel grünes Licht bekommt und dann für uns die wertvolle Verstärkung sein wird, die wir brauchen", sagte Gross.

Der an der Wade verletzte Klaas-Jan Huntelaar? "Wir versuchen alles, dass er gegen Leipzig fit ist", meinte sein Coach.

Und der Brasilianer William? Der wurde für den Rest dieser Saison aus Wolfsburg geholt, um die Dauerbaustelle hinten rechts zu schließen. Gegen seinen Ex-Verein musste der Olympiasieger von 2016 dann aber vorne rechts ran, weil es den Schalkern zuvor nicht mehr gelang, auch noch einen schnellen Offensivspieler zu holen. "Wir müssen noch zwei, drei Wochen Geduld haben, bis wir sein ganzes Potenzial sehen können", sagte Gross über William. Womöglich gilt das auch für sein gesamtes neuformiertes Team. Und womöglich ist es dann schon zu spät.

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