Leverkusen (dpa) - Der Stachel der frühen Entlassung in Dortmund saß tief bei Peter Bosz. "Es war eine sehr kurze Zeit, die erst sehr gut und dann sehr schlecht war", sagte der Fußball-Lehrer später. Er wisse, dass sich Menschen "immer an den letzten Eindruck erinnern".

Und deshalb habe er "immer gehofft, noch einmal eine Chance in Deutschland zu bekommen". Als diese dann kam, und Bosz im Winter bei Bayer Leverkusen anheuerte, kündigte er an: "Die Menschen in Deutschland haben den wahren Peter Bosz noch nicht gesehen."

Acht Monate später schwärmen sie in Leverkusen in den höchsten Tönen vom Niederländer. "Er hat eine angenehme Art, zurückhaltend, aber mit Schalk im Nacken. Er macht das sehr gut", lobte Sportchef Rudi Völler bei Sky den Trainer, der Bayer in der Rückrunde von Platz neun in die Champions League geführt hatte und nun mit drei Pflichtspielsiegen startete. Eine Verlängerung des bis 2020 laufenden Vertrages scheint eine Formsache zu sein. Was Kapitän Lars Bender freuen würde: "Leverkusen kann sich glücklich schätzen, so einen Trainer hier zu haben."

Ist das also jetzt der wahre Peter Bosz? Fakt ist: Der 55-Jährige hat Missverständnisse, die nach seiner Dortmunder Zeit über ihn kursierten, ausgeräumt. Er spiele zu offensiv und lasse zu wenig trainieren, so lauteten damals die Hauptvorwürfe. In Leverkusen ist es ihm gelungen, Spieler, Offizielle, Fans und Medien von sich und seinem Plan zu überzeugen.

Auch bei Bayer lässt Bosz attraktiven Offensiv-Fußball spielen. Doch er hat den Spielern eingetrichtert, "dass man nur offensiv spielen kann, wenn man defensiv stabil ist". Auch bei Bayer hat er in der Sommervorbereitung nur einmal am Tag trainieren lassen. "So ein Trainingslager habe ich noch nie erlebt", staunte Außenverteidiger Mitchell Weiser. Doch Bosz erklärte: Er wolle das Training dosieren, um die Verletzungsgefahr zu bannen. Er wolle intensiv trainieren. Und er wolle die Konditionsarbeit nicht nur in die Vorbereitung legen.

Nun steht dienstags im Spielbetrieb Konditionsarbeit an. "Am Ende der Saison, wenn die Preise verteilt werden, müssen wir am stärksten sein", sagte Bosz. An den ersten beiden Spieltagen lief sein Team mehr als alle anderen. Und Stürmer Kevin Volland schwärmte: "Die Trainingssteuerung ist überragend."

In Dortmund hatte Bosz nach überragendem Start im Laufe von neun Spielen ohne Sieg das Vertrauen bei Spielern und Bossen verloren. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke räumte später ein, dass die Folgen des Attentats auf den Mannschaftsbus größer gewesen seien als befürchtet. Und dass auch der Kader falsch zusammengestellt worden sei. Er wolle das nicht bestätigen, sagte Bosz dem Magazin "11 Freunde": "Das klänge wie eine Ausrede. Das will ich nicht. Nur so viel: Ich hatte in Dortmund das Momentum nicht auf meiner Seite."

Dass er Trainer werden will, wüsste Bosz übrigens schon, "bevor ich überhaupt Profi war", wie er im Podcast "Der Sechszehner" seinem ehemaligen Rostocker Trainer Ewald Lienen verriet. "Mir war klar, dass ich nie ein Top-Spieler werden würde. Aber ich hatte damals schon Hoffnung, eines Tages ein guter Trainer sein zu können."

Als Spieler war Bosz, der als Jugendlicher Zeitungsartikel über Johan Cruyff sammelte, keineswegs schlecht. Er absolvierte gar acht Länderspiele. "Aber ich spielte mit Gullit, van Basten, Rijkaard. Wenn ich im Training den Ball verlor, hatte ich Angst, ihn nie wieder zu bekommen. So gut waren die", sagte er: "Ich hatte da nie das Gefühl, am richtigen Platz zu sein." In Leverkusen scheint er den richtigen Platz gefunden zu haben.

Podcast-Folge "Der Sechszehner" (Bosz ab Minute 32)