Hamburg l Ja, norwegischer Humor kann sehr trocken sein. Das musste auch Bundestrainer Christian Prokop erfahren, als ihn ein norwegischer Journalist fragte, ob es denn ein Nachteil sei, wenn seine Mannschaft gegen das Team von Christian Berge zu spät in die Gänge komme. Hintergrund: Prokop und Fabian Böhm waren zu spät zur gemeinsamen Pressekonferenz mit den Gästen aus Norwegen erschienen – der Hamburger Stadtverkehr wurde wohl etwas unterschätzt.

Skandinavisches Duell um den Titel

Prokop ließ sich die Frage zweimal übersetzen, bevor er antwortete: „Nein.“ Dabei wusste der Bundestrainer genau, dass auf dem Parkett das Tempospiel der Norweger eine Waffe sein würde, die es am Freitagabend im Halbfinale zu entschärfen galt. Was dem deutschen Team viel zu selten gelang. Gekämpft wurde zwar bis zum Schluss, aber die Norweger waren einfach zu stark und zogen letztlich verdient mit 31:25 (14:12) ins WM-Finale ein. Dort gibt es am Sonntag in Herning ein skandinavisches Duell gegen Dänemark.

Dabei kam die deutsche Mannschaft ganz gut ins Spiel. Hendrik Pekeler traf in der vierten Minute zum 3:1. Die Anfangsphase hatten die Norweger wohl gebraucht, um sich in der Defensive einzustellen. Dann agierten sie dort nämlich clever, zwangen die Deutschen zu Abschlüssen aus dem Rückraum, die Torhüter Torbjorn Bergerud meist entschärfen konnte.

Zu viele Zeitstrafen

Beim 7:9 (20.) lagen die Deutschen dann erstmals mit zwei Toren zurück – und Prokop reagierte. Er wechselte Silvio Heinevetter für Andreas Wolff im Tor ein sowie Tim Suton auf der Spielmacher-Position. Doch ein zwischenzeitlicher Ausgleich (9:9/22.) war schnell wieder verpufft. Auch, weil die Deutschen vier Zeitstrafen – Norwegen kam auf drei – in der ersten Halbzeit hinnehmen mussten.

So stellte Fabian Böhm beim 12:13 (30.) zwar noch einmal den Anschluss her, Magnus Jondal konnte den per Siebenmeter aber noch einmal auf 12:14 ausbauen.

Heinevetter stärker als Wolff

Die 12 500 Zuschauer ahnten: Die zweite Halbzeit wird ein Kampf. Und die Norweger erwischten den besseren Start. Insbesondere Kreisläufer Bjarte Myrhol bekam die deutsche Defensive überhaupt nicht in den Griff. So war er mit drei Toren maßgeblich daran beteiligt, dass sich Norwegen auf 20:16  (38.) absetzen konnte. Wolff hatte auch nicht seinen allerbesten Tag und musste dann auch wieder dem viel stärkeren Heinevetter weichen.

Norweger Sagosen überragend

Dank eines überragenden Uwe Gensheimer blieben die DHB-Jungs aber dran. Mit seinem siebten Tor im siebten Versuch verkürzte der Kapitän auf 22:24 (47.). Doch die Norweger konnten sich auch auf ihren Star Sander Sagosen verlassen, der immer wieder geschickt seine Teamkollegen einsetzte. Drei Minuten vor Schluss wurde es beim 22:24 zwar noch einmal spannend. Aber es reichte nicht. Auch weil Hendrik Pekeler nach der dritten Zeitstrafe vorzeitig raus musste. Paul Drux sagte: „Wir sind alle sehr enttäuscht. Aber die Norweger waren den einen Tick besser.“

Auch der Trainer erkannte die Niederlage an. Christian Prokop: „Wir haben zu wenig Lösungen gefunden.“ Und Silvio Heinevetter: „Heute war leider der Wurm drin.“