Berlin l Es schwang eine Menge Politik mit an diesem Abend in Berlin. Es standen ja nicht nur die koreanischen Handballspieler vereint auf der Platte, auch die Fans saßen nebeneinander auf der Tribüne, mit weißen Shirts und der Silhouette des gemeinsamen Koreas darauf. Statt einer Hymne erklang vor dem Spiel das koreanische Volkslied „Arirang“, das die Koreaner aus dem Norden und Süden auf der Tribüne gemeinsam sangen.

Viel Symbolik also beim ersten Handballspiel des gemeinsamen Teams aus Nord- und Südkorea, das gestern Abend dem deutschen Team zum WM-Auftakt in Berlin klar mit 19:30 unterlag. Für die Sieger ging es am Ende auf eine ausgiebige Ehrenrunde. „Wir haben diesem Tag entgegengefiebert“, sagte Bundestrainer Christian Prokop im „ZDF“. Und Kapitän Uwe Gensheimer meinte: „Es war wichtig, gut zu starten und die Atmosphäre kennenzulernen.“

Das erste Tor dieser WM durften die Koreaner bejubeln. Suyoung  Jung warf nach 46 Sekunden das 1:0. Für den Torschützen und seine Teamkollegen ein Treffer so wertvoll wie für die Favoriten der WM-Titel. Denn dass diese Führung nur eine Momentaufnahme bleiben sollte, war auch ihnen klar.

Souverän gesiegt

So souverän der deutsche Sieg auch daherkam, es ging durchaus mitunter hektisch zu auf der Platte. Beim Tor zum 7:3 (12. Minute) bekam Steffen Fäth von Kim Dongmyung den Ellbogen ab – und das dänische Schiedrichter-Duo Martin Gjeding und Mads Hansen entschied auf Rot. Eine viel zu harte Entscheidung. Auch deshalb, weil danach für Allerweltsfouls Zeitstrafen verteilt werden mussten.

Erst Mitte der ersten Halbzeit setzte sich das DHB-Team  langsam standesgemäß ab. Zur Pause stand es 17:10. Wichtig für den Bundestrainer: Prokop setzte im Verlauf der Partie alle 16  Spieler seines Kaders ein – auch Matthias Musche vom SC Magdeburg. Der ließ zwar gleich eine Riesenchance aus, traf aber insgesamt dreimal: zum 19:10 und später auch zum 26:12 und 29:17. „Es war wichtig, dass wir alle Spieler ins Turnier gebracht haben“, meinte Prokop.

Dass ein noch deutlicherer Sieg möglich war, dürfte am Ende bei der Spielauswertung dennoch interessieren. Zu viele freie Würfe ließ die deutsche Mannschaft noch liegen. Trotzdem fasste Musche den gelungenen Auftakt zufrieden zusammen: „Klar war ein höherer Sieg möglich, aber der Torwart von Korea war auch richtig gut. Entscheidend ist, überhaupt mit einem Sieg gestartet zu sein. Jetzt sind wir mit einem Super-Publikum drin im Turnier.“