Premiere am 7. Mai im Opernhaus

Die Sopranistin Ute Bachmaier wurde 1959 in Chemnitz geboren. Sie gehört seit 1982 zum Solistenensemble des Theaters Magdeburg. Große Erfolge feierte sie unter anderem als Susanna („Die Hochzeit des Figaro“), Donna Anna („Don Giovanni“), Oscar („Un ballo in maschera“), Zerbinetta („Ariadne auf Naxos“), Adele („Die Fledermaus“), Sophie („Der Rosenkavalier“) und immer wieder als Königin der Nacht („Die Zauberflöte“).

2002 verlieh ihr die Stadt Magdeburg den Titel Kammersängerin.

In der Spielzeit 2015/2016 ist Ute Bachmaier unter anderem als Frau Fluth („Die lustigen Weiber von Windsor“), in der Kinderoper „Zorro sucht den Carmen-Schatz“ und als Olga („Die lustige Witwe“) zu sehen.

„Die lustigen Weiber von Windsor“ von Otto Nicolai hat am 7. Mai, 19.30 Uhr, Premiere am Opernhaus.

Regie führt Christian von Götz. Er verlegt die Oper, die von der Epoche des Biedermeiers geprägt ist, zeitlich in die 70er Jahre mit dem Konflikt zwischen Hippie­milieu und spießbürgerlicher Gesellschaft. Zur Besetzung gehören: Johannes Stermann (Sir John Falstaff), Lucia Cervoni (Frau Reich), Ks. Ute Bachmaier (Frau Fluth), Thomas Florio und Paul Sketris als eifersüchtige Ehemänner, Julie Martin du Theil (Anna Reich) und Manuel Günther als Fenton.

Volksstimme: Frau Bachmaier, Sie haben mit 34 Dienstjahren ein Rollendebüt. Sind Sie zur Premiere noch aufgeregt?

Ute Bachmaier: Natürlich.

Ist die neue Rolle aufregend?

Auch. Es ist aber vielmehr die lange Erfahrung, die man hat. Wenn man jung ist, geht man unbeschwerter auf die Bühne. Das macht manches einfacher.

Die Frau Fluth soll eine Wunschpartie von Ihnen sein.

Das stimmt.

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Warum war die Rolle Ihr Wunsch?

Ich habe in den 34 Jahren fast alles gesungen, was mein Fach hergibt. Ich war auch schon in den „Lustigen Weibern“ die Jungfer Anna Reich. Frau Fluth hingegen ist kein junges Ding, sondern eine reife und lebenserfahrene Frau. Ich finde, es ist jetzt an der Zeit für diese Partie.

Welche Partie hat sich rückblickend am meisten eingeschnitten in Ihr Leben?

Jede Produktion ist einschneidend, jede neue Partie. Manchmal gibt es Erfahrungen mit Regisseuren, die ganz neu und interessant sind für einen, manchmal kann man sich mit deren Arbeit nur schwer anfreunden. Trotzdem darf man sich nichts anmerken lassen.

Verraten Sie ein Beispiel?

Die erste Produktion mit Herrn Kriegenburg, der hier bei uns „Orpheus und Eurydike“ inszeniert hat. Er ist ein hervorragender Schauspielregisseur, und es war seine erste Opernproduktion. Der ganze Probenprozess war völlig anders, als wir es gewohnt waren. Das bedeutete eine enorme Umstellung, war dann aber auch ein tolles Ergebnis.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren ersten Auftritt in Magdeburg?

Mein erster Auftritt war in Mozarts „Gärtnerin aus Liebe“ in einer Wiederaufnahme. Ich war Serpetta, das Kammermädchen. Kurz vorher hatten wir als Studenten dieses Stück in Dresden gemacht, da hatte ich allerdings Sandrina gesungen. Aber die Umstellung auf die andere Partie war kein Problem. Mit dem Herzen war ich zu der Zeit eine Soubrette.

Und Ihre erste richtige Premiere?

Das war eine ganz kleine Rolle in „Der Naschmarkt“, ich hatte kaum etwas zu singen. Das war ein Dämpfer.

Dann haben Sie in all den Jahren aber unglaublich viel erreicht am Haus.

Ich hatte eine lange Zeit viel zu tun und habe vom Publikum all das zurückbekommen, was ich immer investiert habe. Das Publikum hat meine Arbeit belohnt. Eine große, schöne Bestätigung war der Titel Kammersängerin, den mir die Stadt 2002 verliehen hat.

Opernsängerinnen werden oft Allüren nachgesagt. Haben Sie Allüren?

Ich glaube nicht, aber da müssen Sie die anderen fragen. Wer mich nicht kennt, denkt sicherlich, dass ich sehr streng bin. Streng bin ich nicht, eher konzentriert.

Kollegen beschreiben Sie als unglaublich diszipliniert.

Ich habe eine große Selbstdisziplin. Man muss üben, man muss singen, man darf nichts schleifen lassen. Ich habe den Ehrgeiz, alles richtig zu machen.

Stehen Sie früh auf und singen schon?

Ich stehe zeitig auf. Auch wenn ich keine Vorstellung und keine Proben habe, übe ich. Wenigstens eine Dreiviertelstunde. Jahrzehnte habe ich das so gemacht.

Inwieweit muss man sich nach all den Jahren noch vorbereiten auf eine Rolle wie jetzt Frau Fluth?

Es ist wie bei einem Sportler. Der kann auch nicht sagen, ich habe zehn Jahre Leistungssport betrieben und jetzt geht alles von alleine. Es geht nichts einfach so. Stimmbänder sind Muskeln und die muss man trainieren. Und je älter man wird, desto mehr muss man sie trainieren. Man muss aufpassen, dass andere nicht sagen, man sollte aufhören zu singen, weil es nicht mehr klingt.

Sie beenden Ihre Karriere am Haus. Warum?

Ich werde am Haus nicht mehr so viel eingesetzt und hatte somit viel Zeit, mein neues altes Hobby auszubauen.

Was ist Ihr Hobby?

Das Nähen. Ich werde zukünftig in einem Stoffladen mit einer kleinen Schneiderei arbeiten. Ich werde beraten, verkaufen, nähen und auch Nähkurse leiten.

Das heißt, Sie hängen sozusagen die Stimme an den Nagel?

Ja. Ich habe mich entschlossen, etwas ganz Neues zu machen. Und die Partie der Frau Fluth ist ein schöner Abschluss.

Ein Leben ohne Bühne, ohne Theater, ohne Publikum. Das ist ein großer Einschnitt.

Ja, es ist mutig. Und die letzte Vorstellung wird mir auch nicht leicht fallen. Aber der Entschluss ist gereift.

Wann wird Ihr letzter Auftritt sein?

Am 12. Juni.

Tragen Sie danach auch noch den Titel Kammersängerin?

Ja, den behalte ich.