Jubiläum

„All the lonely people“ in Berliner Villa Aurora

Die Künstlerresidenz in Berlin feiert ihr 25-jähriges Bestehen mit einer ausstellung. Coronabedingt sind Isolation oder Einsamkeit bestimmende Themen der Schau.

Von dpa 24.09.2021, 15:15 • Aktualisiert: 20.10.2021, 12:23
Die Geschäftsführerin von VATMH (Villa Aurora & Thomas Mann House), Heike Catherina Mertens (l), und die Kuratorin Nana Bahlmann.
Die Geschäftsführerin von VATMH (Villa Aurora & Thomas Mann House), Heike Catherina Mertens (l), und die Kuratorin Nana Bahlmann. Annette Riedl/dpa

Berlin - Zum 25-jährigen Jubiläum der Villa Aurora hat die Künstlerresidenz gemeinsam mit dem verbundenen Thomas Mann House die Ausstellung „All the lonely people“ im Berliner Silent Green Kulturquartier realisiert.

Die beiden vom Bund geförderten Einrichtungen dienen dem deutsch-amerikanischen Kulturaustausch. In der von Nana Bahlmann kuratierten Ausstellung sind Arbeiten von Stipendiatinnen und Stipendiaten der Villa Aurora sowie von Künstlerinnen und Künstlern aus Los Angeles zu sehen. Nach der bis zum 10. Oktober in Berlin geplanten Präsentation soll die Ausstellung in West Hollywood im Los Angeles County gezeigt werden (20.11.-8.1.).

In der Betonhalle des Silent Green befassen sich viele der Arbeiten coronabedingt mit Themen wie Isolation oder Einsamkeit. Andrea Zittel entwirft mit „A-Z Time Tunnel: Time to Get Into Perfect Shape“ ein Wohnmodul, das sich perfekt für ein Eremiten-Leben zu eignen scheint. Annika Kahrs zeigt ihre Videoarbeit „Playing to the Birds“, in der ein Pianist Liszts „Legende Nr. 1: 'Die Vogelpredigt von Franz von Assisi'“ in einem Kammermusiksaal voller Vogelkäfige spielt. Thomas Struth gibt mit der monumentalen Fotografie „Schlichter Weg, Feldberger Seenlandschaft 2021“ einen naturbezogenen Einblick in den jüngsten Corona-Winter.

Louisa Clement hat mit „Repräsentantin“ ein Silikon-Double von sich selbst geschaffen. Die lebensechte Puppe kann zudem Teile von Gesichtszügen bewegen. Vor allem aber ist sie über einen Server ans Internet angeschlossen und kennt Lebenswerk und einen Teil der Mails ihrer Schöpferin. Auf dieser Basis lässt die „Repräsentantin“ sich in direkte Gespräche verwickeln.

Die Villa Aurora war einst Wohnsitz von Lion und Marta Feuchtwanger. Seit 1995 dient sie als Künstlerresidenz für Schriftsteller, Filmemacher, Komponisten oder Künstler. Thomas Mann errichtete während seines kalifornischen Exils 1942 ein Haus in Pacific Palisades, Los Angeles. Der Bund erwarb das Haus 2016, um es als einen Ort des transatlantischen Austauschs zu nutzen. Für beide Institutionen werden unterschiedliche Stipendien vergeben.