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Magdeburger Theater an der Angel probt für das Sommertheater Amüsant und erhellend: Ein Abend in der Schönscheinwelt

03.06.2011, 04:33

Seit Gründung des Theaters an der Angel vor zehn Jahren lädt das Haus alljährlich zu einer Sommerproduktion. Es gab Theater im Hafen, im Stadion, an der Elbe. In diesem Sommer laden die Theaterleute in ihre traditionsreiche Zuckschwertsche Villa in der Zollstraße und zeigen Peter Shaffers "Komödie im Dunkeln". Natürlich in einer Theater-an der-Angel-typischen Neuproduktion.

Von Grit Warnat

Magdeburg. Sie wollten unbedingt zu einem "fertigen Stück" zurück, sagt Ines Lacroix. "Die Komödie im Dunkeln" von Peter Shaffer, dem 1926 geborenen britischen Dramatiker, die 1965 am Londoner National Theatre uraufgeführt wurde, habe schon lange in der Schublade gelegen. Jetzt wird sie am Theater inszeniert und im Juni und Juli 32-mal gespielt – in einem zweiteiligen Sommerabend, der mit "Schön(er) Schein(en) überschrieben ist.

Ines Lacroix und Matthias Engel sprechen von einem "amüsanten, turbulenten und erhellenden Spiel um Schein und Sein des Schönen". Es gehe ihnen um das große Thema Schönheit und um die Frage, was ein wertvolles, ein schönes Leben eigentlich ausmache. Was ist schön? Und ist schön gleichbedeutend mit gut?

In diese Fragenwelt passt die Shaffersche Komödie, bei der die Figuren im Dunkeln tappen und sich unbeobachtet fühlen. Sie geben etwas anderes vor, als sie wirklich sind. "Das ist ein Scheinverhalten", sagt Ines Lacroix. Weil geheimgehalten und verborgen und immer wieder missverstanden wird.

Auch Carol und Brindsley, ein junges, erfolgloses Künstlerpaar, täuschen. Sie erwarten einen reichen Kunstmäzen und wollen – um im besseren Licht zu stehen – die schäbig aussehenden Möbel aufpeppen und tauschen den eigenen Hausrat gegen die schön anzusehenden Antiquitäten der Nachbarin. Die ist im Urlaub und ahnt nichts von dem Ansinnen. Bis Miss Furny, die Nachbarin, vorzeitig aus dem Urlaub heimkehrt. Das Chaos nimmt seinen Lauf. Einzig der Zuschauer bewahrt den Überblick und kann sich amüsieren.

In der Regie von Peter Wittig und Therese Thomaschke wollen sich die "Angler" stark an das Script halten. Aber auf Angel-Theater-typische Art und Weise werden die Besucher thematisch auf den Abend eingestimmt. Denn vor der eigentlichen Inszenierung auf der Bühne im Haus wird an sechs Stationen draußen auf dem Hofgelände schon eine Stunde lang gespielt.

Für eine der Stationen in dieser Schönscheinwelt ist in den vergangenen Wochen besonders intensiv erst abgerissen, dann neu gebaut worden. Die große Theaterfamilie hat ein Gartenhaus mit einer wohldurchdachten Holzkonstruktion errichtet – eine Orangerie, in der ein Engel – natürlich Matthias Engel – einen Schönheitssalon betreibt und den Besuchern erzählen wird, dass ein Mensch schön aussehen muss, um Schönheit empfinden und ausstrahlen zu können.

Von Tobias Wollner wird an anderer Stelle behauptet, die Schönheit der Welt zeige sich nur im Klang, in der Musik. Und Tabea Wollner, die nicht nur Schauspielerin und Sängerin, sondern auch Malerin ist, wird in einem kleinen Atelier auch eine Malerin spielen und sinnieren über die Schönheit der Welt, die sich für sie nur durch Malerei definieren lasse. Sechsmal soll der Gast mit absoluten Behauptungen konfrontiert werden.

Ines Lacroix und Matthias Engel wollen sich, wie sie sagen, "dem weiten Begriff schön öffnen". Es sei ein schwieriger Begriff, der so völlig unterschiedlich definiert werden könne.

Und das Stück? Wird es schön? Die beiden Schauspieler schauen sich an, schmunzeln und antworten gleichzeitig: "Wir hoffen es."

Weiterhin spielen: Franziska Kriebisch, Beat Lacroix, Rainer Mette und die Geschwister Wollner. Premiere ist am 16. Juni. Gespielt wird bis 31. Juli jeweils 20.30 Uhr.