Sonderausstellung nach Sanierung und Neukonzeption Angermuseum Erfurt mit russischer Moderne eröffnet
Erfurt hat nach fast fünf Jahren sein Kunstmuseum zurück. Mit der Sonderausstellung "Natalja Gontscharowa – Zwischen russischer Tradition und europäischer Moderne" ist das Angermuseum nach Sanierung und Neukonzeption am Wochenende feierlich wiedereröffnet worden.
Erfurt (dpa). Rund 14 Millionen Euro flossen seit 1998 in den ehemaligen Kurmainzischen Pack- und Waagehof. Das 1986 gegründete Museum sei eine gelungene Symbiose von Tradition und Moderne und eine wahre Schatzkammer, sagte Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU). In Thüringen gibt es rund 200 Museen.
Natalja Gontscharowa (1881-1962) zählt zu den schillerndsten Persönlichkeiten der russischen Avantgarde. Ihre Bilder erzielen auf Auktionen hohe Preise. Die bis zum 3. Oktober gezeigten rund 150 sind Leihgaben aus der Staatlichen Tretjakow-Galerie Moskau. Das Projekt ist eine Kooperation mit Museen in Rüsselsheim und Lübeck. Allein hätte das Angermuseum das hochkarätige Projekt nicht stemmen können, sagte Direktor Wolfram Morath-Vogel.
Gontscharowa, die nach der Oktoberrevolution im Exil in Paris lebte, legte sich nicht auf einen Stil fest. Ihre in Erfurt ausgestellten Arbeiten zeigen in Stil und Motivwahl Einflüsse der russischen und der westeuropäischen Moderne.
Mit der Sonderschau will das Museum sich im Spannungsfeld regionaler Tradition und internationaler Moderne präsentieren. Das von Erfurter Bürgern gegründete Museum besaß eine der wichtigsten zeitgenössischen Sammlungen in Deutschland, bis die Nationalsozialisten viele Werke als "Entartete Kunst" diffamierten und dem Museum wegnahmen. Die Zerstörungswut der Nazis überlebt hat das 1922/23 entstandene Wandbild "Lebensstufen" von Erich Heckel.
Es eröffnet den Rundgang durch die Sammlungen mit rund 150 Bildern vom Mittelalter bis zur DDR-Kunst. Dicht an dicht, zum Teil als Kontrast übereinander, werden die Gemälde von Hans Baldung Grien, Caspar David Friedrich, Friedrich Nerly, Max Beckmann und Heinz Zander präsentiert. Den Fußboden der Galerie krönt in gelbem und rotem Sandstein das wieder freigelegte "Erfurter Rad", das Wappen der thüringischen Landeshauptstadt.