Der junge Meisterpianist Florian Lukas Feilmair begeisterte beim Wettbewerb "Neue Sterne" in Wernigerode Bewegender Soloabend über das Leben und den Tod
Wernigerode l Leben, wo gestorben wird - und daraus Kunst gewinnen. Das könnte für den Wiener Meisterpianisten Florian Lukas Feilmair das Motto des Eröffnungskonzertes des dritten Internationalen Klavierwettbewerbs "Neue Sterne" am Mittwoch im Rathausfestsaal zu Wernigerode gewesen sein. Der 1. Preisträger des Vorjahreswettbewerbs gestaltete ungeheuer intensiv und bewegend einen Soloabend zum Thema Leben und Tod.
Wie macht er das? Feilmair ist nicht einmal 23 Jahre alt. Im ersten Teil wählte er von Franz Liszt die zwischen 1843 und 1846 für Klavier vertonten Sonette 47, 104 und 123 des Begründers des Humanismus, Francesco Petrarca, aus. "Und Leben Traum will scheinen ... Ernst, Liebe, Wehmut, Würde, tiefe Trauer" heißt es im letzteren Sonett.
Feilmair ergänzte es um das 1881 komponierte Liszt-Werk "Trübe Wolken" und das 1883 entstandene "Am Grabe Richard Wagners".
Er artikulierte in den virtuosen Werken Härte und Zweifel, stille Melancholie, nachdenkliche Fragen. Die Töne schwangen und klangen. Er ging auf eine meditative Suche nach den Menschen und ihren gelebten Leben in den Jahrhunderten.
Mit besonderer schmerzhafter Intensität gestaltete er die "Reminiscences" - acht zwischen 1938 und 1945 von dem tschechischen Sänger und Regisseur Karel Berman geschriebene Miniaturen. Ihre Titel waren gedankliche Wegweiser durch die Klangwelten, die Feilmair vor den Zuhörern aufwuchtete. "Jugend" und "Familie" waren ungestüm aufwallende Bilder des Jahres 1938.
Für den jüdischen Komponisten und Gesangsstudenten Berman war da die Welt noch einigermaßen klar. Am 15. März 1939 kam die vollständige Okkupation der CSR - misstönend wie das Stampfen deutscher Besatzerstiefel. "Fabrik Deutschland" und "Leichenfabrik Auschwitz" schrieb Karel Berman aus eigenem Erleben - er war Zwangsarbeiter, kam im März 1943 ins Konzentrationslager Theresienstadt, im September 1944 zuerst ins KZ Auschwitz, von dort nach Dachau-Kaufering. Er überlebt das Grauen der Lager, den anschließenden Todesmarsch und kehrt nach der Befreiung nach Prag zurück. "24. V. 1945 - Einsam - einsam" notiert er seine trüben Gedanken in Moll, mit ein paar Trillern darin. Der Friede war gewonnen. Aber wie weiter?
Feilmair spannte weite Assoziationsbögen. Sensibel und sehr wach leistete er programmatisch Herausragendes. Acht Minuten intensivster Applaus von 62 Pianisten aus 23 Staaten und zahlreichen Besuchern!
Im Anschluss verlas Jurychef Prof. Albert Mamriev die Namen von 24 Künstlern, die die zweite Runde erreichten. Im Harzer Kultur- und Kongresshotel (KiK) in der Pfarrstraße 41 geht es Freitag und Sonnabend ab 10 Uhr weiter. Die Finalrunde mit dem Philharmonischen Kammerorchester findet am 11. März ab 16 Uhr im KiK statt.