Historischer Krimi

Volker Kutscher: Ergänzung zu Gereon-Rath-Reihe

Mit seinen Romanen um den Berliner Ermittler Gereon Rath hat Volker Kutscher Hunderttausende Bücher verkauft. Sein neues Buch „Mitte“ gehört in diese Reihe - auch wenn diesmal jemand anderes im Fokus steht.

Von Axel Knönagel, dpa 13.11.2021, 16:03
Volker Kutscher legt mit einem neuen Krimi nach.
Volker Kutscher legt mit einem neuen Krimi nach. Oliver Berg/dpa

Berlin - Spannende Kriminalfälle vor der historischen Kulisse Berlins in den 1930er Jahren haben Volker Kutschers Romanfigur Gereon Rath berühmt gemacht.

Der 1962 geborene Autor traf mit seinen Romanen um den politisch unangepassten Ermittler ins Schwarze. Der morbide Glamour der Weimarer Republik und die Entwicklungen des aufkeimenden Nationalsozialismus sind Themen, die hierzulande immer wieder Bestseller und erfolgreiche Filme garantieren.

Mit dem Roman „Der nasse Fisch“, dem Auftakt seiner Krimiserie, gelang Kutscher auf Anhieb ein Bestseller, dem sieben weitere Gereon-Rath-Romane folgten. Die Reihe ist inzwischen in viele Sprachen übersetzt, wie der Kiwi-Verlag informiert, und durch die Verfilmung „Babylon Berlin“ international bekannt.

Für seine neue Erzählung „Mitte“ greift Kutscher nun auf eine Episode aus seinem bislang letzten Roman „Olympia“ zurück. Darin hatte Rath einen mysteriösen Todesfall im Olympischen Dorf aufgeklärt. Einen wichtigen Beitrag zur Lösung hatte Fritz Thormann geleistet, Raths ehemaliger Pflegesohn, der eine Vergangenheit als Straßenjunge hat. Eben dieser Fritz Thormann steht im Mittelpunkt von „Mitte“.

Volker Kutscher erzählt die Geschichte als reinen Briefroman. Nach einem einleitenden Gestapo-Brief, in dem „die politische und charakterliche Verderbtheit des Thormann“ betont wird, hat allein Fritz das Wort. Dessen eingeschränkter Blickwinkel ist ideal für den Spannungsbogen, da Fritz bei aller Cleverness bisweilen auch so naiv und unwissend ist, wie es viele Deutsche während der ersten Jahre der Nazi-Herrschaft waren.

Kutscher verwendet viele Details, um der Erzählung Zeitkolorit zu verleihen. Fritz erwähnt verbotene Bücher ebenso wie Filme, die er gesehen hat, und die Sammelaktionen der Hitlerjugend. Natürlich schreibt Fritz seine Briefe auch in der Rechtschreibung der 1930er Jahre.

Im Oktober 1936, zwei Monate nach den Ereignissen von „Olympia“, ist Fritz aus Angst vor der Polizei und dem Jugendamt untergetaucht. Dabei hat er es vergleichsweise gut getroffen. Er lebt zwar noch in Berlin, trägt aber einen falschen Namen und verdient seinen Lebensunterhalt als Kohlenträger.

Aber Fritz ist einsam, und so beginnt er, die Briefe zu schreiben, aus denen die Erzählung besteht. Die meisten dieser Briefe schreibt er Gereon Raths Ehefrau Charlotte, einige andere einem Mädchen aus seiner Vergangenheit auf der Straße, das nun unter falschem Namen in einer anderen Stadt lebt.

Alles scheint gut zu sein, und Fritz kann stolz von seinem Leben am Rande der Gesellschaft berichten. Trotz seiner negativen Erfahrungen mit dem NS-Staat kommt bei dem 15-Jährigen immer wieder sogar ein naiver Nationalstolz durch.

Aber dann taucht jemand auf, den der Junge unter seltsamen Umständen im Olympischen Dorf getroffen hatte und der ganz offensichtlich etwas verbergen will. Auf einmal fühlt Fritz sich bedroht, besonders, nachdem es in seiner unmittelbaren Nähe einen verdächtigen Todesfall gibt. So wird „Mitte“ zum Spannungsroman, in dem ein Mörder überführt werden soll.

Wie schon bei „Moabit“, der Geschichte um Charlotte Rath, hat auch in „Mitte“ die Illustratorin Kat Menschik einen wichtigen Beitrag zum Gesamteindruck geleistet. Mit ihren Zeichnungen von Personen, Örtlichkeiten und kleinen Details hat sie erheblich dazu beigetragen, die Handlung plastisch zu machen.

„Mitte“ ist ein interessant gestaltetes und geschickt erzähltes Büchlein, das seinen Platz im Gereon-Rath-Universum verdient.

- Volker Kutscher: Mitte. Mit Illustrationen von Kat Menschik. Galiani Verlag, Berlin, 128 Seiten, 20,00 Euro, ISBN 978-3-86971-246-8.