1. Startseite
  2. >
  3. Kultur
  4. >
  5. Das Wetter in geschlossenen Räumen mit Maria Furtwängler

Das Wetter in geschlossenen Räumen mit Maria Furtwängler

Als schön schräg bezeichnete Maria Furtwängler ihren neuen Film bereits in einem Interview 2014. Die 49-Jährige verkörpert in dem Drama über das Geschäft mit der Armut eine Entwicklungshelferin, die zunehmend die Kontrolle verliert.

Von Christina Sticht, dpa 23.01.2016, 13:41
Die Entwicklungshelferin Dorothea (Maria Furtwängler) organisiert in einem arabischen Luxushotel Charity-Empfänge, um Spendengelder einzuwerben. Foto: Movienet Film/dpa
Die Entwicklungshelferin Dorothea (Maria Furtwängler) organisiert in einem arabischen Luxushotel Charity-Empfänge, um Spendengelder einzuwerben. Foto: Movienet Film/dpa Movienet Film

Berlin (dpa) - Sie trinkt, kokst und übergibt sich in einen Mülleimer, während draußen Panzer rollen und Schüsse fallen.

Im Kinofilm Das Wetter in geschlossenen Räumen spielt Maria Furtwängler (49) eine Frau, die sich komplett von der unterkühlten Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm unterscheidet, als die sie das TV-Publikum seit 15 Jahren kennt.

Die Entwicklungshelferin Dorothea organisiert in einem arabischen Luxushotel Charity-Empfänge für Geschäftsleute und Diplomaten, um Spendengelder einzuwerben. Das Hotel ist eine Art Wartehalle für PR-Manager, Kriegsreporter und Flüchtlingshelfer, die auf die Öffnung der Grenze zum benachbarten Kriegsgebiet hoffen.

Regisseurin und Drehbuchautorin Isabelle Stever wirft den Blick auf eine dekadente Parallelwelt, die immer größere Schwierigkeiten hat, sich abzuschotten und ihre Existenz zu legitimieren, wie es die 51-jährige Filmemacherin selbst beschreibt. Die Atmosphäre ist beklemmend. Dorothea scheinen die Flüchtlingsprojekte inhaltlich nicht wirklich zu interessieren. In ihrer luxuriösen Suite schlägt die mondäne Businessfrau die Zeit mit ihrem mehr als 20 Jahre jüngeren arabischen Liebhaber Alec (Mehmet Sözer) tot.

Die widersprüchliche Dorothea ist für jede Schauspielerin eine Traumrolle. Furtwängler gibt sie mal arrogant, mal zerbrechlich und sieht dabei auch ungeschminkt mit rotgeweinten Augen noch gut aus.

Die Arbeit von Hilfsorganisationen ist ein knallhartes Geschäft, das macht Das Wetter in geschlossenen Räumen eindrucksvoll deutlich. Stever recherchierte sieben Jahre für ihren Film, reiste nach Beirut, Brüssel und Amman. Es gibt ein reales Vorbild für die Figur Dorothea. Die Regisseurin lernte nach eigenen Worten 2006 die Mitarbeiterin einer großen Entwicklungshilfeorganisation kennen, die von sich sagte, dass sie ihre Kleidung nur bei Prada und Gucci kauft.

Ergebnis der jahrelangen Recherchen ist ein unbequemer Film, der vielleicht etwas zu viel will, und mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Zum Schluss kippt die Handlung in einigen Szenen ins Satirische, etwa wenn beim Gala-Diner im Luxushotel niedliche Flüchtlingskinder die reichen Gäste bedienen.

Das Wetter in geschlossenen Räumen, Deutschland 2015, 100 Min., FSK ab 12, von Isabelle Stever, mit Maria Furtwängler, Mehmet Sözer, Anne von Keller

Das Wetter in geschlossenen Räumen