Stürmischer Applaus für Kinderoper zum Ausklang der Wernigeröder Schlossfestspiele Ein Aschenputtel zwischen Legosteinen
Mit "Aschenputtel räumt auf" für Kinder ging im voll besetzten Rathaussaal Wernigerode am Wochenende der letzte Akt der 17. Schlossfestspiele begeistert zu Ende.
Wernigerode l Als große Oper gab das Philharmonische Kammerorchester mit einem ausgezeichneten Solistenensemble beim diesjährigen Schlossfestival "La Cenerentola" - schlicht "Aschenputtel" - von Gioacchino Rossini. Als "kleine" Oper für junge Zuschauer folgte als Kehraus nun "Aschenputtel räumt auf". Es war eine gelungene Produktion, mit leichter Hand von den zwei Sänger-Darstellern Eva Trummer (Mezzosopran) und Jörg Schade (Erzähler) improvisiert und vom Bläserquintett des Kammerorchesters mit großer Spiellaune musiziert.
Jörg Schade, seit 25 Jahren in Deutschland als Schauspieler unterwegs, unter anderem im "Tatort", schafft sich für seinen Märchenauftritt den Raum. Gemeinsam mit dem Kölner Musikverleger und Kulturmanager Franz-Georg Stähling schrieb er sich die Operngeschichte in Kurzfassung auf den Leib: Er ist der Gärtner Paolo, der die Wirtschaft seines verarmten Herrn, Don Magnifico, mit dem Aschenputtel in Schuss hält. Er stellt die Instrumente vor, die sich mit Musik von Mozart bis Gershwin einprägsam in ihren Klängen präsentieren. Er liest aus einem dicken Märchenbuch vor, baut das Bühnenbild aus großen Lego-Steinen fantasievoll um, tritt in der Rolle von Magnifico auf, singt die Canzone "War einmal ein Königssohn".
Immer wieder sucht er den Kontakt und den Dialog mit den jungen Zuschauern. Das gelingt ihm ausgezeichnet. "Da müsste jemand im Schloss aufräumen", sagt Schade. Zuruf aus dem Saal: "Mach du das doch!" Er fragt ab, welche Instrumente das junge Publikum spielt. Klavier ist am häufigsten; einmal wird die Posaune genannt. Er verteilt Wasserpistolen im Publikum für die Gewitterszene. Und er präsentiert das Aschenputtel Eva Trummer auf ihrem mühsamen Weg, die Liebe des Prinzen Ramiro zu erringen. Zum Schluss singt sie passabel die große Finale-Arie "Triumph der Liebe".
Mit den beiden Gästen setzte das Kammerorchester Wernigerode seine beliebte Reihe der Familienkonzerte für Zuhörer jeglichen Alters erfolgreich fort. "Aschenputtel räumt auf" läuft bereits in der siebenten Spielzeit seit der Premiere 2005 mit dem Brandenburgischen Staatsorchester in Frankfurt/Oder und erlebte vor allem in West- und Norddeutschland über 30 Aufführungen.
Die "Übersetzung" der "Cenerentola"-Musik für das ausgezeichnete Bläserquintett stammt von dem Klarinettisten und Arrangeur Ulf-Guido Schäfer. Die Flötistin Barbara Toppel, der Oboist Bentai Li, der Hornist Roman Gmür, der Klarinettist Shingo Oku und der Fagottist Thomas Toppel ließen den Charme und den Witz der rossinischen Komposition immer wieder hervorblitzen. Barbara Toppel gebührt übrigens der Rekord, das Finale der Oper am häufigsten von allen Musikern gespielt zu haben. Nicht nur zu den "Cenerentola"- und "Aschenputtel räumt auf"-Aufführungen, sondern auch zur "Last Night" mit den Chopin-Variationen über das Thema "Triumph der Liebe".
Begeisterter Applaus und Trappeln mit den Füßen - der Rathaussaal erbebte nach dieser Aufräumaktion!