"Unheilig" gastierte im Magdeburger Elbauenpark / Fans waren dankbar für jedes Lied Ein Familienprogramm zum Mitsingen
Das Konzert von "Unheilig" am Freitagabend war Anlass tausendfachen Familienausfluges. Mit Kind und Kegel ging es zur Wiese im Magdeburger Elbauenpark, um den "Grafen", Sänger und Kopf des "Unheilig"-Projektes, live und open air zu sehen.
Magdeburg l Das folgende zweistündige Familienprogramm eignete sich zum Mitsingen, Mitschunkeln, Klatschen.
Vereinzelte junge Leute, die sich in Aufmachung der Gothic-Szene zugehörig zu erkennen geben, gehen im bunten Meer der Menschen unter. Das andere (Künstler-)Leben des Grafen in subkulturellen Sphären ist lange her. Damals Bösewicht mit rauen Texten, ist er heute Liebling der Masse - mit millionenfach verkauftem Album und gut besuchten Bühnenshows.
Dass penetrante Vermarktung ein Schlüssel kommerziellen Erfolges ist, soll nicht verhehlt werden. Die Videowand an der Bühne wirbt vor Beginn des Konzertes für "Sonderposten", für günstig zu erwerbende T-Shirts der letzten Tour. Mit Fanartikeln ist gut Geld zu machen, bestimmt auch mit der neuen "Unheilig"-Platte "Lichter der Stadt", die die derzeitige Konzert-Tournee im In- und Ausland präsentiert. Bevor die Fans den Grafen leibhaftig erblicken, begrüßt er sie über besagte Videowand. "Hallo Magdeburg" schreibt er in eine Art Tagebuch - filmisch gekonnt in Szene gesetzt. Dann ein Countdown, den die Masse herunterzählt und der glatzköpfige Entertainer mit markantem Bartkunstwerk kommt auf die Bühne geflitzt.
"Könnt ihr den Lichtstrahl sehen", tönt er mit seiner wohlklingenden, sonoren Stimme. Mit schwarzem Anzug, dessen Jackett er später zugunsten des weißen Hemdes weglässt, steht er im Bühnenbild eines Häusermeers. Die Fans haben ihren Grafen.
"Wir wollen die Sehnsucht spüren", singt der. Zu einem ersten kollektiven Klatschen verführt der aktuelle Hit "Lichter der Stadt". Die Fans werden warm. Doch dann das. Der Graf verschwindet von der Bühne. Gefühlt minutenlang ist er verschwunden. Trost gibt´s von der Videowand, das ihn in atmosphärischen Bildern zeigt.
Liebespaare fassen sich an den Händen
Nahezu nach jedem Song folgt eine Auszeit, die Dampf herausnimmt, die Energie der Fans bremst. Die Liedzeile "Ich nehme mir die Zeit" bekommt ganz andere Bedeutung.
Doch energiegeladen kommt er auf die Bühne zurück. Wenn der Sänger auch manchmal sichtbar pumpt wie ein Maikäfer, seine Stimme ist voll da, ob in "Unter deiner Flagge" oder in "Große Freiheit". Bei letzterem sind die Arme der Fans nach oben gereckt, mehrere tausend Stimmen vereinigen sich zum Chor. Der brandneue Song "Auf ewig" trifft ihren Nerv.
Der Sound ist gefällig, angenehme massenkompatible Popmusik, melancholisch bis pathetisch. Die Texte bieten keinerlei Reibungsfläche ("Ich bin da, wenn du mich brauchst", "Gib das Träumen niemals auf").
Bei der Zeile "Mit dir will ich unsterblich sein" fassen sich Liebespaare an den Händen. Die rockigen Nummern erfreuen durch tanzbare metallene Sounds - so etwa "Nachtschicht", "Feuerland" und "Eisenmann". Mitunter klingt es martialisch und wuchtig wie Rammstein.
Die Fans sind für jedes Lied dankbar, sind angetan vom Auftritt Magdeburger Kinder, lauschen dem Duett des Grafen und Gast Andreas Bourani ("Wie wir waren") und kommen der Aufforderung ihres Idols "Singt mit mir" gern nach. "Geboren um zu leben" - der Text sitzt. Gemeinsam intonierte Zugaben etwa von "So wie du warst" und "Nichts ist für immer" sorgen für den emotionalen Abschluss des "Unheilig"-Auftritts.