16. Schlossfestspiele Wernigerode Eine "First Night" mit Seele und Esprit
Von Hans Walter
Wernigerode. Die "First Night" der 16. Schlossfestspiele Wernigerode fand am Sonnabend im Saale statt. Die Hochschule Harz bot dem Philharmonischen Kammerorchester und dem Publikum drinnen ein erfreuliches Domizil bei Nässe und Kälte draußen. Es war ein kurzweiliges, vergnügtes Programm, mit dem Musikdirektor Christian Fitzner das Musikfest im August einleitete. Zum einen mit heiteren Piecen aus dem Operetten- und Opern-Fundus, zum anderen mit zwei Cello-Kompositionen mit französischem Esprit und böhmischer Seele.
Victoria Car, die kecke Adele der kommenden "Fledermaus" auf Schloss Wernigerode - eine bildschöne, 26-jährige Sängerin aus Wien - begeisterte eingangs mit der Arie der Olympia aus "Hoffmanns Erzählungen" von Offenbach mit blitzsauberen Koloraturen die Zuhörer im ausverkauften Saal.
Sie ist eine quicke spielerische und gescheite Persönlichkeit, was sie mit ihrer Ausgrabung des Orchestermaterials von Carl Millöckers "Ach, wir armen Primadonnen" aus der Operette "Der arme Jonathan" in Wien unter Beweis stellte. Nach mehr als einem halben Jahrhundert erklang die selbstironische Arie der Diva Harriet erstmals wieder mit einem Orchester. Eine vergnügliche Wiederentdeckung - wie auch die Arie der telefonsüchtigen Lucy aus der 1947 entstandenen Kurzoper des Amerikaners Gian Carlo Menotti "Das Telefon". Das Publikum war deutlich erheitert und applaudierte lange.
Meisterhaftes Spiel des Cello-Professors
Das Philharmonische Kammerorchester bot mit der Ouvertüre und drei Tänzen aus Smetanas Oper "Die verkaufte Braut" wahre Klangkultur, Seele und Temperament. Dem setzte der Cellist Guido Schiefen das Sahnehäubchen auf: Er spielte Offenbachs "Concerto Rondo" und Dvoraks Rondo für Violoncello und Orchester. Da blühten die Töne sinnlich-erotisch auf, da sang das Instrument mit höchster Virtuosität - und der Solist war mit strahlenden Augen in der Klangwelt glücklich wie ein Kind!
Gepriesen sei der Sponsor, der im März erstmals die Begegnung mit Guido Schiefen ermöglichte - schon damals mit Jacques Offenbach. Für Bravorufe und stürmischen Applaus gab es eine Zugabe. Die Konzertgemeinde konnte sich am meisterhaften Spiel des Kölner Cello-Professors nicht satthören. Hoffentlich konzertiert er bald wieder in Wernigerode!