Eine Perle - Eisenacher Lutherhaus wiedereröffnet
Thüringen ist vor dem Reformationsjubiläum um eine Attraktion reicher: Nach zweijähriger Bauzeit öffnet das sanierte Lutherhaus in Eisenach.
Eisenach (dpa) - Zwei Jahre vor dem Reformationsjubiläum 2017 erstrahlt das Lutherhaus in Eisenach in neuem Glanz. Das für knapp vier Millionen Euro komplett sanierte und umgebaute historische Gebäude wurde am Samstag mit einem Festgottesdienst wiedereröffnet.
In dem mittelalterlichen Fachwerkhaus, das um einen Anbau erweitert wurde, soll der spätere Kirchenreformator Martin Luther von 1498 bis 1501 als Schüler gewohnt haben. Die Eröffnung feierten am Samstag rund 2000 Gäste in Eisenach, am Sonntag lockte das Museum rund 200 Besucher an.
Die evangelische Landesbischöfin Ilse Junkermann sagte in ihrer Predigt, das Lutherhaus mit seiner neuen Dauerausstellung sei eine Perle. Die Schau Luther und die Bibel zeigt 120 Ausstellungsstücke. Darunter sind mittelalterliche Schnitzplastiken, wertvolle Bibelausgaben sowie Gemälde aus der Cranach-Werkstatt. Im Mittelpunkt steht Luthers Bibelübersetzung und ihre kulturhistorische Wirkung. Der vom Papst unter Bann gestellte Luther hatte in seinem Versteck auf der nahen Wartburg 1521/22 das Neue Testament der Bibel ins Deutsche übersetzt.
Die Ausstellung greift auch die Judenfeindlichkeit Luthers auf, die später die Nationalsozialisten für sich nutzten. So wird an das in Eisenach ansässige Institut zur Entjudung der evangelischen Kirche erinnert, das ein Neues Testament herausgab, aus dem alles Jüdische getilgt war.
Das ist eine zutiefst beschämende Geschichte, eine schwere Schuldgeschichte, sagte Junkermann. Es sei wichtig, diese als Mahnung und Warnung vor Selbstüberheblichkeit zu erzählen. Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, sagte, das Lutherhaus gehe mit seiner neuen Dauerausstellung den hoffnungsvollen Weg der jüdisch-christlichen Versöhnung weiter.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) würdigte die Wiedereröffnung des Lutherhauses nach zweijähriger Bauzeit laut vorab verbreitetem Redetext als einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum Reformationsjubiläum. Zu diesem würden im Jahr 2017 Gäste aus aller Welt erwartet.